Kammermusik in Borstel und Sülfeld e.V.

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ca. drei Wochen vor dem Konzert stellen wir die Konzertinfomationen zur Verfügung

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Konzert am Samstag, dem 26. Mai 2018, 18:00 Uhr in der Kirche Sülfeld 

Konzert mit dem Ensemble

Los Temperamentos


Die Geschichte Lateinamerikas im Spiegel der Barockmusik

"DE LA CONQUISTA Y OTROS DEMONIOS"


Musiker aus Mexiko, Kolumbien, Italien und Deutschland



Swantje Tams Freier – Gesang
Alessandro Nasello – Blockflöten

Néstor Fabián Cortés Garzón – Barockvioloncello

Hugo Miguel de Rodas Sanchez – Erzlaute/ Barockgitarre
Nadine Remmert – Cembalo


Los Temperamentos

Das Ensemble »Los Temperamentos« wurde 2009 von Absolventen der Hochschule für Künste Bremen gegründet und beschäftigt sich vorrangig mit der Musik des 17. und 18. Jahrhunderts. Die Künstler stammen aus verschiedenen Ländern Europas und Lateinamerikas und setzen sich daher in besonderer Weise mit den interkontinentalen Beziehungen auseinander, die zwischen den Kulturen dieser Kontinente bis heute auf musikalischer Ebene existieren. In ihren Interpretationen kombinieren die Musiker die vielfältigen Stilrichtungen ihres jeweiligen kulturellen Erbes, bringen ihre verschiedenen Charaktere mit ein und zeigen so den großen Farbenreichtum der »Alten Musik«. Das Ensemble beweist, dass Barockmusik aktuell und lebendig ist.

Stationen in der Vergangenheit waren u.a. „Alte Musik in Fürstenfeld“, München, das Konzerthaus „Glocke“, Bremen, der „Hohenloher Kultursommer“, Schwäbisch Hall, der „Juillet Musical de Saint Hubert“ (Belgien), das „Monteverdi Festival“, Cremona und die „Meraner Musikwochen“ (Italien), die „Kasteelconcerten“ Zwolle (Niedelande) wie auch die Festivals „Cistermusica“, Alcobaça, „Festival des Artes“, Coimbra (Portugal) oder „Festival Internacional de Musica Antigua“ (Peru )und „Festival Internacional de Musica Antigua“ (Chile) und das Festival „IMPULSO“ (Mexiko).

Nach dem Debüt Album »De la Conquista y otros Demonios«, welches u.a. vom NDR exzellent rezensiert wurde, erschien im Sommer 2015 die zweite CD »El Galeón 1600«. Diese CD wurde für den „International Classical Music Award 2016“ nominiert. Im Juli 2017 erschien das neue Album „Amor y Locura“, welches unter anderem von WDR 3, HR 2, Radio Stephansdom Wien oder NDR Kultur ausgezeichnete Kritiken erhielt. Dieses Album wurde erneut in der Kategorie „Barock Vokal“ für den „International Classical Music Award“ nominiert.

Das Programm des Konzerts:

Gabriel Bataille (1575-1639)

1) El baxel esta en la playa

aus Airs de différents autheurs, mis en tabulature de luth,livre 2


Tarquinio Merula (1595-1665)

2) “Su la cetra amorosaAria sopra la Ciacona

aus Musiche concertate et altri madrigali


Anonymus (17. Jhdt.)

3) “Marizápalos”

aus der Sammlung „Códice de Fray Gregorio de Zuola“


Improvisation

4) Tarantella para Don Juan de Hamburgo

Ay Amor Loco


Jakob Hermann Klein (1688-1748) 5. Sonatein a-moll

aus “VI Sonate a Violoncello solo e Basso Continuo”, op. V

Poco Allegro ,Adagio ,Allegro


***PAUSE***


Antonio Valente (1530-1585)/Anonymus

5) “Torbellino (Jarabe Loco)”

„Gagliarda Napolitana/


Tarquinio Merula (1595-1665)

6) Folle è ben che si crede

aus Curtio Precipitato et altri Capricii


Domenico Scarlatti (1685-1757)

Sonata K 89 in d-moll

Allegro,

Grave-El Cortesano de Rodas

Allegro


Anonymus (18.Jhdt.)

“Lanchas para Baylar”

7) “Tonada La Selosa”

8) “Tonada El Congo”

aus der Sammlung „Códice Trujillodel Perú“ („Códex Martínez Compañón“)

  

De la Conquista y otros Demonios

Die Geschichte Lateinamerikas im Spiegel der Barockmusik

Als die europäischen „Conquistadores“ Ende des 15. Jahrhunderts in der Karibik landeten, um sich in der Folge den amerikanischen Kontinent und alles, was sich darauf befand, zu eigen zu machen, markierte dies den Anbruch eines neuen Zeitalters. Sein grausamer Beginn führte zur radikalen Auslöschung ganzer Völker und Vernichtung unwiederbringlichen Kulturgutes. Trotz allem lassen sich heute aber glücklicherweise noch einige Spuren der indigenen Musizierpraxis aufnehmen. Denn diese Kunst überlebte in verschiedensten Formen, vermengte sich beispielsweise mit der Musik, die die Europäer aus der „Alten Welt“ mitbrachten, und mit der Kultur der später aus Afrika verschleppten Sklaven.

Als Rückkehrer die Musik Südamerikas wiederum nach Europa brachten, hatte sie auch hier große Auswirkungen, besonders auf die iberische Halbinsel und die damals unter spanischer Herrschaft stehenden Niederlande und Neapel.

Das Programm des heutigen Abends enthält eine Mischung lateinamerikanischer und europäischer Musik, die unter eben diesen verschiedenen Einflüssen entstand, stellvertretend für die europäische Seite beispielsweise Werke aus Italien, Spanien, Frankreich und den Niederlanden. Darunter befinden sich etwa eine Komposition in der bekannten Form der „Ciacona“ - einem ursprünglich aus Südamerika stammenden Tanz mit ostinatem Bass - oder ein kolumbianischer „Joropo“, wie er in der Cellosonate Kleins zu erahnen ist. An diesem Beispiel lässt sich auch erkennen, dass die Musik des barocken Zeitalters auf dem lateinamerikanischen Subkontinent eine ganz andere Entwicklung erlebt hat als in Europa: Sie ist dort immer noch Teil populärer Alltagsmusik, der Folklore, während die europäische Musikwelt die gleichen Grundmodelle nur noch aus der sog. „Alten Musik“ kennt.

Dem gegenüber stehen Werke, die in verschiedenen lateinamerikanischen Sammlungen, z.B. dem Codex des spanischen Bischofs J.B. Martínez de Compañón (1737-1797) erhalten geblieben sind. Dieses auch unter dem Namen „Códice Trujillo del Perú“ bekannte Werk enthält neben naturwissenschaftlichen und ethnologischen Darstellungen auch Informationen über musikalische Aufführungspraxis und Niederschriften von sog. „Tonadas“, Liedern, in denen der Einfluss der Kultur der afrikanischen Sklaven deutlich wird.

(Texte: Los Temperamentos)




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(Textzusammenstellung: Hans Jürgen Thomsen,  E-Mail: kammermusik-borstel@web.de)