Kammermusik in Borstel und Sülfeld e.V.

Konzertinformationen der Saison 2017/ 2018



Konzert am Mittwoch, dem 15.November 2017, 20:00 Uhr

   im Herrenhaus Borstel 

Klavierabend mit

Alexander Krichel

Mit 28 Jahren hat sich Alexander Krichel als eine der vielversprechendsten und intelligentesten Stimmen unter den jungen Pianisten etabliert. Seit er mit seiner beeindruckenden Debüt-CD für Sony Classical zum ”Nachwuchskünstler des Jahres” beim ECHO Klassik 2013 gekürt wurde, hat der deutsche Pianist eine Reihe von der Kritik mit Begeisterung gefeierter Aufnahmen veröffentlicht, darunter Rachmaninovs Zweites Klavierkonzert mit der Dresdner Philharmonie unter Michael Sanderling und zuletzt „Miroirs“, ein Album mit Solo-Repertoire von Maurice Ravel.

Der gebürtige Hamburger begann sein Klavierspiel im Alter von sechs Jahren und wurde mit fünfzehn Vorstudent an der Hochschule für Musik und Theater in Hamburg. 2007 setzte er seine Studien mit Vladimir Krainev an der Hamburger Hochschule fort.

Alexander Krichel kann bereits auf Debüts mit bedeutenden Orchestern verweisen, von den Bamberger Symphonikern bis zu dem Tokyo Symphony Orchestra und Kyoto Symphony Orchestra.

Als gefragter Solokünstler gab Alexander Krichel vergangene Saison sein Debüt im Kleinen Saal der Elbphilharmonie Hamburg

Abseits des Klaviers begeistert sich Alexander Krichel für Mathematik, Naturwissenschaften und Fremdsprachen. Er engagiert sich in Projekten, die Kindern und Jugendlichen Zugang zur klassischen Musik verschaffen und setzt sich in der Hospizarbeit in Hamburg ein.

Alexander Krichel hat drei große Klavierzyklen von Maurice Ravel eingespielt.Zwei davon werden wir bei seinem Konzert im Herrenhaus Borstel hören: „Le Tombeau de Couperin“ und„Gaspard de la Nuit“.

Für Alexander Krichel sind diese Werke faszinierende Beispiele für Ravels kontrastreiche Ausdruckspalette und Stimmungen, für die er gerade das Helle dem Dunklen und das Licht dem Schatten gegenüberstellt.

Mit „Le Tombeau de Couperin“, das Krichel als helles, „fast unschuldig wirkendes“ Stück“ bezeichnet, eröffnet er seine Ravel-Hommage. Mit dieser Klaviersuite hat sich Ravel vor dem französischen Barockkomponisten François Couperin verbeugt. Zugleich wollte er mit den insgesamt sechs Sätzen die französische Musik des frühen 18. Jahrhunderts, ihre tänzerische Delikatesse, melodiöse Eleganz und ihren Esprit einfangen.

Ganz andere, auch dämonische Sphären betritt man mit Ravels „Gaspard de la Nuit“. Inspirationsquell für diesen 1908 komponierten, dreisätzigen Reigen bildeten Gedichte des französischen Romantikers Aloysius Bertrand, der sich in diesen Phantasiestücken als begeisterter Leser von E.T.A. Hoffmann erwies. Im ersten Stück „Ondine“ steht die unglücklich in einen Sterblichen verliebte Meeresjungfrau im Mittelpunkt. In „Le Gibet“ (Der Galgen) läuten die Totenglocken. Und den Titelhelden des letzten Satzes, einen grotesken Zwerg namens „Scarbo“, porträtiert Ravel mit einer spieltechnisch irrwitzig schweren Klangsprache.

Mit dem Klavierschaffen des französischen Komponisten Maurice Ravel hat sich Alexander Krichel immer wieder beschäftigt. Bereits als Jungstudent in Hannover hat er mit Ravels „Gaspard de la Nuit“ eines der schwersten Klavierwerke überhaupt gespielt. Und in den letzten Jahren konzertierte der gebürtige Hamburger und ECHO Klassik-Preisträger mit den beiden Klavierkonzerten von Ravel.

Alexander Krichel ist einer der talentiertesten jungen Pianisten seiner Generation und entfacht überall, wo er auftritt, Begeisterung bei Presse und Publikum. Er überzeugt mit Virtuosität, Dynamik und musikalischer Intensität und bringt „das Klavier so zum Singen, wie man es nur selten hört. Tiefe, Sensibilität und Eleganz verschmelzen bei ihm zu vollkommener Schönheit, so dass man sich nicht satt hören kann“(Crescendo). Bereits sein Debütalbum wurde zum Bestseller und mit dem ECHO Klassik ausgezeichnet.

(obige Textzusammenstellung aus Alexander Krichels Homepage)

                      Das Programm des Abends:

Maurice Ravel (1875-1937): Le Tombeau de Couperin

Maurice Ravel: Gaspard de la Nuit

Modest Mussorgski (1839-1889): Bilder einer Ausstellung


Alexander Krichel (* 1989 in Hamburg)

Alexander Krichel begann im Alter von sechs Jahren mit dem Klavierspiel. Als Schüler wurde er Preisträger der Mathematik-Olympiade, beim Bundeswettbewerb Fremdsprachen und beim Wettbewerb Jugend forscht im Bereich Biologie. Krichel wurde bereits als Schüler durch den Rotary Club Hamburg gefördert. Mit Auszeichnung hat er die Aufnahmeprüfung in die Förderklasse der William-Stern-Gesellschaft für hochbegabte Mathematiker an der Universität Hamburg geschafft.

Mit 15 Jahren begann Krichel als Jungstudent seine Studien an der Hochschule für Musik und Theater Hamburg.

Alexander Krichel gewann zahlreiche nationale und internationale Musikwettbewerbe und Förderpreise, darunter Jugend musiziert und den 1. Preis beim Internationalen Steinway-Klavierwettbewerb. Des Weiteren erhielt er 2007 den Schrader-Preis für die beste musikalische Leistung bei den Aufnahmeprüfungen an der Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover wo er bei Wladimir Wsewolodowitsch Krainew bis zu dessen Tod 2011 studierte. Zur Zeit setzt er seine Studien in London am Royal College of Music bei Dmitri Konstantinowitsch Alexejew fort. 2013 wurde er mit dem ECHO Klassik als Nachwuchskünstler (Klavier) ausgezeichnet.

Alexander Krichel war Stipendiat der Oscar- und Vera-Ritter-Stiftung sowie des PE-Förderkreises für Studierende der Musik e.V. Mannheim und des stART-Programms, mit dem Bayer-Kultur junge Künstler über einen Zeitraum von drei Jahren fördert.

(Text aus Wikipedia)


Maurice Ravel: Le Tombeau de Couperin

Ein klingendes Denkmal

Vor 100 Jahren schrieb Maurice Ravel seine Suite „Le Tombeau de Couperin“. Jeder Satz ist einem seiner Freunde gewidmet, die im ersten Weltkrieg gefallen waren.

Rätsel Ravel

„Es gibt keine rätselhaftere Figur in der Galerie der neueren Komponisten als die Maurice Ravels. Jeder Versuch, zwischen seiner Musik, dieser raffinierten, bald aufpeitschenden, bald dämonischen, bald sinnlich-kitzelnden Nervenkunst und den bekannten Tatsachen seines Lebens eine Verbindung herzustellen, mündet in Ratlosigkeit … Kaum glaubt man einen Generalnenner für Leben und Werk gefunden zu haben, so wird man in unlösbare Widersprüche verwickelt, die einen noch mehr verwirren.“ (Hans Heinz Stuckenschmidt)

Ravel, der Rätselhafte: Kriegsteilnehmer und Kosmopolit, beliebter Salon-Dandy à la Baudelaire und zugleich zurückgezogen und introvertiert, ein Spieldosen-Nerd mit dem übergroßen Portrait der Mutter hinter dem Flügel und ein hochempfindsamer musikalischer Impressionist – dieser frühvollendete Virtuose war seit jeher eine anscheinend unlösbare Knobelaufgabe für die Biographen. Ebenso vielseitig und janusköpfig wie der Komponist ist seine Musik: Voller Jubel und scheinbar unbekümmerter Spielfreude einerseits, gedankenvoll und formal ausgesprochen komprimiert andererseits. Dem glasklaren, kristallinen Klang seiner Stücke steht ein zutiefst klassizistisches Formdenken gegenüber. Ravel strukturierte seine Musik im Kopf, bevor er sie niederschrieb; die längste Arbeitsphase war das „Aussondern überflüssiger Noten“, was schon mal mehrere Jahre dauern konnte. Jedenfalls konnte man sicher sein, dass hinterher nichts übrig blieb, was nicht Hand und Fuß hatte.

Le Tombeau de Couperin

Eine „Suite française für Klavier“ wollte Ravel 1914 schreiben, am Vorabend des ersten Weltkrieges – und mit der Widmung an Francois Couperin, den berühmten Cembalisten des 18. Jahrhunderts, auch der französischen Musik ein Denkmal setzen (tombeau heißt Grabmal). „Couperin“ ist aber nur ein pars pro toto für das, was im nationalistischen Geist der Zeit als die originäre französische Musik galt (in Abgrenzung zur deutsch-klassischen Achse Beethoven-Brahms): Die kristalline, fein ziselierte Hofmusik aus der Zeit des Absolutismus. Debussy, der zuweilen mit „musicien français“ unterschrieb, war ein Leuchtturm dieser programmatischen Rückbesinnung, und Ravel, der Debussy bewunderte, aber wesentlich humorvoller und kosmopolitischer war, machte mit „Le Tombeau“ seine Reverenz. Dieses „Grabmal“ – das erst 1917 fertiggestellt wurde, nach Ravels Kriegseinsatz als Lastwagenfahrer – ist nicht nur eine nationalistische Devotionalie. Ravel verarbeitete darin auch den Tod seiner Mutter (1917) und den seiner gefallenen Kameraden, denen je ein Satz gewidmet ist. 


Spielfreude siegt!

Musikalisch ist das Stück dennoch nicht wirklich ein Trauerstück. Im Gegenteil, es herrschen große Spielfreude, ein packender Schwung und mechanischer Drive, wie z.B. in der Toccata und in der Rastlosigkeit der Forlane, die wie eine Spieluhr abschnurrt. Einzig das Menuett schlägt melancholischere Töne an. Unter den historischen Tanzformen findet sich auch ein Kuriosum: Die Aufnahme der altertümlichen Forlane (ital. furlana) in den Zyklus ist eine ironische Anspielung auf ein päpstliches Dekret der Zeit, das den unzüchtigen Tango verbietet und diesen alten Tanz als Ersatz empfiehlt (erfolglos, wie wir heute wissen).

Klangfenster in die Barockzeit

Überall erkennt man die historisierende Anspielung auf die barocke Cembalomusik: in den Satzbezeichungen, Formen, und auch in der Spielweise – in den durchgehenden Sechzehntel- und Zweiunddreißigstel-Bewegungen des Präludiums, des Rigaudon, der Toccata. Es ist leicht, durch die tänzerisch-hüpfende Forlane die Acciaccaturen hindurchklingen zu hören, jene Akkordbrechungen, die dezent mit harmoniefremden Tönen gewürzt sind und die der französischen Cembalomusik ihr apartes Gepräge geben (dazwischen schmuggelt Ravel auch den einen oder anderen Klang aus der Jazz-Welt). Angesichts der kristallklaren Musiksprache, der historisierenden Formen und überbordenden Spielfreude darf man also augenzwinkernd sagen: „Couperin“ ja, „Tombeau“ nein. ( Text. SWR)



Der Komponist Modest Petrowitsch Mussorgsky wurde am 21. März 1839 auf dem russischen Gut Karewo geboren. Mit 17 Jahren wurde er zuächst Gardeoffizier, begann aber zwei Jahre später, sich in St. Petersburg ganz der Musik zu widmen. In Not geraten musste er 1863 als Beamter in den russischen Staatsdienst eintreten. Gemeinsam mit Rimski-Korsakow, Kjui, Borodin und Balakirew bildete Mussorgsky das 'Mächtige Häuflein', eine Gruppe russischer Komponisten, die sich die Schaffung einer auf dem russischen Volkslied basierenden nationalrussischen Musik zur Aufgabe stellte. Anders als seine Zeitgenossen Peter I. Tschajkowsky oder Anton Rubinstein verachtete Mussorgsky die europäische und akademische Herangehensweise an Musik. Mussorgskys bekannteste Kompositionen sind die 'Bilder einer Ausstellung' für Klavier sowie die Oper 'Boris Godunow', Werke, die Mussorgsky zum bedeutendsten Vorläufer der modernen Musik machen. Mussorgsky starb am 28. März 1881 verarmt in St. Petersburg. 


Konzert am Donnerstag, dem 19. Oktober 2017, 20:00 Uhr im Herrenhaus Borstel 

Konzert mit dem Cello Duo

DUO SONORUS

und der Pianistin

Adriana von Franqué

„Duell mit Cello und Bogen“

Das Duo Sonorus bestehend aus den Cellisten Samuel Selle und Phillip Wentrup präsentiert ein ebenso unterhaltsames wie künstlerisch wertvolles Programm mit Kompositionen von Joseph Haydn, David Popper und Niccoló Paganini.

Phillip Wentrup (*1991 in Kaltenkirchen) begann 1997 das Violoncellospiel. Von 2003 bis 2009 wurde er von Edwin Koch unterrichtet. Von 2010 – 2016 studierte er an der HfMT Hamburg bei Prof. Bernhard Gmelin. 2005 wurde er mit dem Förderpreis der Hamburger Philharmoniker ausgezeichnet. Beim Musikwettbewerb des Lions Club Hamburg erhielt er 2012 einen 1. Preis. 2014 folgte ein 1. Preis beim Elise Meyer Wettbewerb der HfMT Hamburg.

Er besuchte Meisterkurse bei Prof. Wolfgang Boettcher, Prof. David Geringas, Prof. Jens-Peter Maintz und Prof. Wolfgang-Emanuel Schmidt.Konzertreisen führten ihn nach China, Japan, Südkorea, in die Schweiz, nach Polen und nach Tschechien.

Seit 2011 ist Phillip Wentrup Stipendiat der Oscar und Vera Ritter-Stiftung und wird durch den „Yehudi Menuhin Live Music Now Hamburg e.V.“ sowie das „Career Center der HfMT Hamburg“ gefördert.

Phillip Wentrup ist seit 2016 Mitglied des NDR Elbphilharmonie Orchesters

Er spielt ein Violoncello von Stephan von Baehr (Paris 2008), das ihm als treuhänderische Leihgabe aus Hamburger Familienbesitz seit 2014 zur Verfügung gestellt wird.


Samuel Selle (*1986) erhielt im Alter von sechs Jahren seinen ersten Cellounterricht. Nachdem er sein Jungstudium am Hamburger Konservatorium absolvierte, folgten Studien bei Bernhard Gmelin und dem Alban Berg Quartett in Köln. Zurzeit studiert er im Master bei Sebastian Klinger an der Hfmt Hamburg. Für wichtige künstlerische Anregungen sorgten Kurse bei Arto Noras, Wolfgang Boettcher, Wolfgang Emanuel Schmidt, Heime Müller, dem Beaux Arts Trio und dem Artemis Quartett.

Samuel Selle ist mehrfacher Preisträger des Bundeswettbewerbs Jugend musiziert in den Kategorien Solo- und Kammermusik und bekam daraufhin den Sonderpreis der Hamburger Philharmoniker. Zudem wurde er bei weiteren nationalen und internationalen Wettbewerben mit Preisen ausgezeichnet.  Langjährige Förderung bekam er durch die Deutsche Stiftung Musikleben, die Oscar und Vera Ritter-Stiftung, ist Masefield-Stipendiat der Alfred Toepfer Stiftung und der Yehudi Menuhin Organisation “Live Music Now”. In der Spielzeit 11/12 war er Praktikant im NDR-Sinfonieorchester Hamburg und spielt seitdem dort regelmäßig als Aushilfe.

Samuel Selle spielt ein Violoncello von Celeste Farotti, Mailand von 1901, eine Leihgabe


Die deutsch-bolivianische Pianistin Adriana von Franqué wurde 1993 in Berlin geboren. Sie ist mehrfache Preisträgerin des Wettbewerbs „Jugend Musiziert“ in allen Wettbewerbsebenen. Mit 18 Jahren wurde sie mit dem Butterfly Communications Klavierpreis und dem Klassikpreis des Rotary Clubs Berlin für die herausragende Interpretation vierhändiger Klavierliteratur zusammen mit dem Pianisten Rasjsjadi Hidajat ausgezeichnet. 2012 machte sie ihr Orchesterdebüt unter der Leitung von Jürgen Peters. Zu einem Höhepunkt ihrer zahlreichen Auftritte zählt die Eröffnung der Ausstellung „Dialog mit der Zeit – Die Kunst des Alterns“, die sie 2015 gemeinsam mit dem Bundespräsidenten Joachim Gauck im Museum für Kommunikation eröffnete. Im März 2016 debütierte Adriana von Franqué in Polen mit dem Symphonieorchester Kielce unter der Leitung von Alessandro Crudele.

Adriana von Franqué entdeckte ihre Leidenschaft für das Klavierspiel bereits im frühen Kindesalter. Zunächst wurde sie von ihrem Vater und privaten Klavierlehrern unterrichtet. Anschließend wechselte sie in die Studienvorbereitende Abteilung der Musikschule „Fanny Hensel“ Berlin, wo sie ihre pianistische Ausbildung bei Batdriana Widjaja und Rüdiger Mühleisen fortsetzte. Seit 2013 ist sie Studentin an der Hochschule für Musik und Theater Hamburg – zu Beginn in der Klasse von Prof. Ralf Nattkemper und derzeitig in der Klasse von Prof. Hubert Rutkowski.

Als begeisterte Kammermusikerin gründete Adriana von Franqué vor kurzem ein Klaviertrio mit Emily Mücke (Violine) und Phillip Wentrup (Cello), das von Prof. Niklas Schmidt (Trio Fontenay) Unterricht erhält.

Ein großes Anliegen der jungen Künstlerin ist Ihr Wunsch, die Begeisterung für klassische Musik bei Kindern mit wenig Zugang zu klassischen Konzerten zu entfachen. Seit 2014 ist sie daher ein regelmäßiger Gast der „Billstedt-Classics“, einer Konzertreihe für Kinder mit sozial schwachem Hintergrund.

Adriana von Franqué ist Stipendiatin des Kölner Gymnasial- und Stiftungsfonds. Außerdem ist sie ein Mitglied von ¡RIMA!, einem Hamburger Netzwerk iberoamerikanischer Musiker zur Förderung von klassischer Musik aus deren Herkunftsländern.

Programm für das Konzert am 19.10.2017 im Herrenhaus Borstel

Joseph Haydn (1732 - 1809)

Duett in D-Dur für zwei Violoncelli, Hob. X: 11

Moderato

Menuett

Adagio con variazioni

Finale: Presto


David Popper (1843 - 1913)

Suite für zwei Violoncelli, op.16

Andante grazioso

Gavotte

Largo espressivo

Allegro vivace ma non troppo


Niccolò Paganini (1782 - 1840)

Introduktion und Variationen über ein Thema aus Rossinis “Moses in Ägypten”,

(arr. für zwei Violoncelli)


***Pause***

 

Ludwig van Beethoven (1770 - 1827)

SiebenVariationen über das Thema "Bei Männern, welche Liebe fühlen" aus Mozarts Oper Die Zauberflöte , für Violoncello und Klavier, WoO 46

Adriana von Franqué, Klavier; Phillip Wentrup, Violoncello


Robert Schumann (1810 – 1856)

Adagio und Allegro für Violoncello und Klavier, op. 70

1. Langsam, mit innigem Ausdruck  (Adagio)

2. Rasch und feurig  (Allegro)

Adriana von Franqué, Klavier; Phillip Wentrup, Violoncello


Astor Piazzolla (1921 - 1992)

„Le Grand Tango“ für Violoncello und Klavier(1982)

Adriana von Franqué, Klavier; Phillip Wentrup, Violoncello

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Die Komponisten Joseph Haydn (1732 - 1809), Niccolò Paganini (1782 - 1840), Ludwig van Beethoven (1770 - 1827), Robert Schumann (1810 – 1856) sind allgemein bekannt. Der Komponist Astor Piazzolla stand bei unserem Konzert im September im Mittelpunkt. Weniger bekannt ist der in Prag geborene Komponist David Popper (1843 bis 1913).

David Popper war der Sohn eines Prager Synagogen-Kantors und wuchs in der Josefstadt auf. Im Alter von 25 Jahren trat er 1868 seinen Dienst als Solocellist der Wiener Hofoper an, dorthin empfohlen von Hans von Bülow. Popper hatte Kontakt zu den bedeutendsten Komponisten seiner Epoche.

In den Jahren 1901, 1902 und 1905 entstand die Hohe Schule des Violoncellospiels, das noch heute ein Standardwerk der Unterrichtsliteratur ist.

Popper war nicht nur einer der hervorragendsten Virtuosen seiner Zeit, sondern bereicherte auch die Cello-Literatur durch eine Anzahl gediegener und ansprechender Kompositionen wesentlich, darunter vier Konzerte, viele Etüden und eine Reihe von Salonstücken.

Familie

David Popper war ab 1872 mit der Pianistin und Liszt-Schülerin Sophie Menter (1846–1918) verheiratet gewesen. Aus dieser Ehe stammte seine Tochter Celeste (geboren 1876). Nach der Scheidung, 1886, heiratete er die dreiundzwanzig Jahre jüngere Olga Löbl. 1887 wurde sein Sohn Leo geboren, der 1911 verstarb. Olga Popper kam, wie viele andere Familienmitglieder, in den Gaskammern der Nazis ums Leben.

(Textzusammenstellung über David Popper aus WIKIPEDIA)

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„Es gibt kaum eine schönere und abwechslungsreichere Kombination als zwei Celli: Sie können vom intimen Kammermusikklang bis hin zu vollem Orchestersound eine riesige Farbpalette bedienen.“

Im ersten Teil unseres Konzertes kommen wir in den Genuss dieser Kombination.

Im zweiten Teil des Konzertes hören wir Phillip Wentrup (Violoncello) und Adrana von Franqué (Klavier) mit Werken von Ludwig van Beethoven, Robert Schumann und Astor Piazzolla.


Ludwig van Beethoven (1770 - 1827)

Die sieben Variationen über das Thema "Bei Männern, welche Liebe fühlen" aus Mozarts Oper Die Zauberflöte,r Violoncello und Klavier, WoO 46 sind eine direkteHommage an das Vorbild Mozart, den Beethoven sehr bewunderte.

Von dem Beethoven- und Mahlerbiographen Paul Bekker stammt die Behauptung, das Violoncello eigne sich “besser für die sachlichen Zwecke der duettierenden Kammermusik als die Violine.” Sein tenorales Timbre, “der männlich ernste, dabei doch elastische und geschmeidige Charakter des Instruments” ermöglichten eine “schlichtere, mehr auf cantabilen Ausdrucksgehalt als auf zündende Effekte berechnete Anlage der Werke” – im Gegensatz zu den “koketten Bravourkünste(n) der Violine”. Der erste Komponist, der diese besonderen Eigenschaften des Cellos für die “duettierende Kammermusik” entdeckte, war Beethoven.

Robert Schumann (1810 – 1856)

Adagio und Allegro für Violoncello und Klavier, op. 70

1. Langsam, mit innigem Ausdruck

2. Rasch und feurig

1849 wandte sich Schumann einer neuen Gattung zu: Werke für Klavier und ein Begleitinstrument. Als erstes entstanden die Fantasiestücke für Klavier und Klarinette op. 73, denen dann unmittelbar das Adagio und Allegro op. 70 folgte, in der Originalfassung für Horn und Klavier. Clara Schumann schrieb in ihr Tagebuch: "Das Stück ist prächtig, frisch und leidenschaftlich, so wie ich es gern habe!" Auch Schumann selbst war von seiner neuen Komposition angetan. Gegenüber dem Verleger Kistner hob er besonders das "brillante Allegro" hervor.

Der erste Satz ist melancholisch-langsam im Charakter, der zweite dagegen ein schnelles und sehr schweres „Bravourstück“, das Hornisten oder Cellisten viel Gelegenheit bietet, solistisch zu glänzen.


Astor Piazzolla (1921 - 1992)

„Le Grand Tango“ für Violoncello und Klavier(1982)

Dieses Werk ist dem großen Cellisten Mstislav Rostropowitsch gewidmet. Diese Komposition verwirklicht wie kaum eine andere Piazzollas Anliegen, Elemente des Tangos mit der klassischen Musik zu verknüpfen.

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(Textzusammenstellung: Hans Jürgen Thomsen, Kattendorf, E-Mail: kammermusik-borstel@web.de)



Konzert am Donnerstag, dem 14. September 2017, 20:00 Uhr im Herrenhaus Borstel 

Konzert mit dem Ensemble

ACUATRO

Tangofantasien von der Romantik bis zum Tango Nuevo


Das Ensemble ACUATRO, das sind die vier Musiker Antje Steen (Bandoneon), Christiane Pritz (Violine), Gregor Hammans (Kontrabass) und Fabian Dobler (Klavier).

Arrangeur des Programms TANGOFANTASIEN ist der Pianist, Komponist und Dirigent Fabian Dobler.Er studierte bei Karl-Heinz Kämmerling in Hannover und trat als Pianist im Rahmen seiner internationalen Konzerttätigkeit in den USA, Argentinien, Südkorea, Dänemark, Österreich, Schweiz, Italien und Deutschland auf. Auch als Autor und als Direktor der Hamburger Kammeroper ist Fabian Dobler bekannt.

Christiane Pritz wurde schon als 14-jährige an der Musikspezialschule „Schloß Belvedere“ in Weimar aufgenommen. Ein Musikstudium an der Hochschule für Musik „Franz Liszt“ schloss sich an. Seit 1990 ist sie Mitglied der HAMBURGER SYMPHONIKER.

Gregor Hammans ist seit 1992 Solokontrabassist der HAMBURGER SYMPHONIKER. Er studierte an der Universität Oldenburg und an der Folkwang Universität der Künste in Duisburg. Danach wurde er vom Orchestre Symphonique d'Europe in Paris engagiert. Neben dem Dienst im Orchester spielt Gregor Hammans gerne Tangos mit seinem Quartett "Titango".

Die Bandoneonistin Antje Steen prägt mit dem warmen leidenschaftlichen Klang ihres Bandoneons den Ausdruck des Ensembles ACUATRO.

Antje Steen hat an der „Staatlichen Hochschule für Musik Trossingen“ studiert.Sie schloss ihr Studium mit Auszeichnung ab und gewann zahlreiche nationale und internationale Wettbewerbe. Mit Akkordeon und Bandoneon konzertiert sie seither in verschiedenen renommierten Kammermusik-Formationen, als Solistin mit Orchester und im Musiktheater.

Das Spektrum reicht dabei von Barock über Tango Nuevo bis hin zu zeitgenössischer Musik. Ihre mit Fabian Dobler und Tim Ströble eingespielte CD „PASSION“ mit Musik von Astor Piazzolla und Johann Sebastian Bach wurde von der renommierten Fachzeitschrift „Fono Forum“ mit fünf Sternen als Empfehlung des Monats ausgezeichnet.

„Musik ist nicht denkbar ohne Interpretation“, schreibt Fabian Dobler „denn unsere Notenschrift ist unvollständig! Nichts ist genau festgeschrieben. . . . So wird eine Aufführung zu einer Mischung aus Vergangenheit und Gegenwart. Die Gedanken und Gefühle des Komponisten (Vergangenheit) werden gespiegelt in den Gedanken und Gefühlen des Interpreten (hier, heute, jetzt). Diese einzigartige Mischung erzeugt das Konzerterlebnis.“

Bei den „Tangofantasien“ werden Werke von Schumann bis Piazzolla neu interpretiert und das Tango-Instrument Bandoneon verschmilzt ganz selbstverständlich mit „klassischen“ Instrumenten zu einem besonderen Klangerlebnis, jedoch immer im vollen Respekt vor der Komposition.


Das Konzertprogramm: 

Astor Piazzolla (1921-1992) - Tangata

Robert Schumann (1810-1856) - Fantasiestücke op. 73 - 3. Rasch und mit Feuer

Carlos Gardel (1890-1935) - El dia que me quieras

Astor Piazzolla - Oblivion

Robert Schumann, Fantasiestücke op. 73 - 1. Zart und mit Ausdruck

Pedro Laurenz (1902-1972) - Milonga de mis amores

Astor Piazzolla - Chiquilin de Bachin

Astor Piazzolla - La muerte del ángel

Johannes Brahms (1833-1897) - Intermezzo op. 118.6

Robert Schumann, Fantasiestücke op. 73 - 2. Lebhaft, leicht

Angel Villoldo (1861-1919) - El Choclo

M. Rodríguez (1897-1948) - La Cumparsita

Astor Piazzolla - Coral

Astor Piazzolla - Escualo


Das Bandoneon (um 1850 von Heinrich Band, Krefeld, konstruiert) ist untrennbar mit dem Tango und mit der Musik Astor Piazzollas verbunden.

„Die Oktavverdopplung, d. h. pro Ton schwingen zumeist zwei Zungen (zweichörig), sorgt für klangvolle, sanfte aber auch scharfe, brillante Töne. Weitere Besonderheiten, wie das Klappern der Knöpfe sowie Luftgeräusche beim Spielen, bestimmen die unverwechselbare Klangfarbe gegenüber anderen Harmonikainstrumenten. Im Unterschied zum Akkordeon besitzt das Bandoneon keine mechanisch voreingestellten Akkorde, sondern wie das Klavier nur Einzeltöne.“(aus Wikipedia)

Beim wechseltönigen Bandoneon werden beim Druck und Zug des Balgens unterschiedliche Töne erzeugt.

Die größte Popularität erlangte das Bandoneon mit dem Tango.

Der Tango entstand zwischen 1850 und 1900 in Argentinien aus einer Mischung europäischer und lateinamerikanischer Musikformen, wobei der harmonische Bereich eher europäisch ist und die Rhythmik lateinamerikanisch. Es haben sich verschiedene Stilrichtungen des Tangos entwickelt. Auf der Suche nach neuen Möglichkeiten hat sich der Tango Nuevo entwickelt. Das wichtigste Instrument des Tangos ist natürlich das Bandoneon. Der bekannteste und bedeutendste Sänger des Tangos war der hochverehrte Carlos Gardel. Zu den bedeutendsten Bandoneonisten des Tangos gehörte Astor Piazzolla


(Textzusammenstellung: Hans Jürgen Thomsen, Kattendorf, E-Mail: kammermusik-borstel@web.de)




Konzertinformationen der Saison 2016/ 2017

Konzert am Sonnertag, dem 28. Mai 2017, 11:00 Uhr im Herrenhaus Borstel 

Konzert mit dem Duo Reiling/Juhl

Christiane Reiling (Violoncello), Nici Juhl(Klavier)


Christiane Reiling war Stipendiatin der Studienstiftung des Deutschen Volkes, studierte in Freiburg und an der Franz-Liszt-Hochschule in Budapest bei Csaba Onczay und schloss ihr Solistenexamen bei Prof. Niklas Schmidt in Hamburg ab. Kurse bei Heinrich Schiff und Martin Ostertag gaben weitere Anregungen. Für das Verständnis alter Musik war die Zusammenarbeit mit Robert Hill und Hille Perl besonders prägend. Bis 2008 war sie fest angestelltes Mitglied der Bremer Philharmoniker, konzertierte aber auch als Solistin mit dem Philharmonischen Staatsorchester Hamburg. Derzeit widmet sie sich wieder verstärkt der Kammermusik.

Die Hamburger Pianistin Nici Juhl studierte zunächst an der Hochschule für Musik in Würzburg bei Arne Torger und Armin Fuchs und schloss ihr Studium in der Meisterklasse von Leonard Hokanson an der international renommierten „Jacob´s School of Music″ in Bloomington, Indiana, USA ab. Neben anderen Preisen gewann sie den Preis für Pianisten der Deutschen Schubert-Gesellschaft und den Kammermusikpreis der Musikalischen Akademie Würzburg. Sie ist eine engagierte Kammermusikerin und Liedbegleiterin. Ihre Zusammenarbeit mit Christiane Reiling besteht seit 2008.


Das Programm: 


Jules Massenet (1842-1912):       

Méditation aus Thaïs

Claude Debussy(1862-1918): 

Sonate pour violoncelle et piano  

1. Prologue. Lent

2. Sérénade et Finale. Modérément – Animé.

Gabriel Fauré(1845-1924):

"Après un  Rêve”  op.7 No.1


Gabriel Fauré(1845-1924):

      Elegie op. 24

Daniel van Goens (1858-1904):Scherzo op.12

               P A U S E - - - - - - 

Franz Schubert(1797-1828):

Sonate a-Moll (Arpeggione-Sonate) DV 821



Claude Debussy (1862-1918):  Sonate pour violoncelle et piano  

1915, drei Jahre vor seinem Tod, begann Debussy einen Zyklus von Six sonates pour divers instruments, die er in bewusster Anlehnung an die französische Sonatenkunst des Barock konzipierte. Von den geplanten sechs Sonaten konnte er nur noch drei vollenden: die Cellosonate, die Violinsonate und die Sonate für Flöte, Viola und Harfe. Auf dem Titelblatt der drei Sonaten, die der Verleger Durand publizierte, nannte sich der Komponist selbstbewusst: Claude Debussy, Musicien français. Alle sechs Sonaten waren als Verherrlichung der Musique française in bewusster Abgrenzung von der Musik der deutschen Spätromantik gedacht.

Keine von ihnen weist die traditionelle Viersätzigkeit und die akademischen Sonatenformen der deutschen Kammermusik auf. Die jeweils drei Sätze sind in freien Formen gehalten, ihre poetischen Titel verweisen auf Außermusikalisches: auf Lyrik und Drama, Antike und Natur. Ihr Stil ist von Eleganz und poetischem Zauber geprägt. Eigenarten, die Debussy als typisch französisch empfand.

Aus der Erinnerung an die Musik des Barock, v.a. die Werke eines Jean-Philippe Rameau und François Couperin, entwickelte er die Maximen des französischen Stils: “Nichts kann entschuldigen, dass wir die Tradition der Werke eines Rameau vergessen haben, die in der Fülle ihrer genialen Einfälle fast einzigartig ist”. In der Verherrlichung der vorklassischen Musik ging er sogar soweit, das Titelblatt der Originalausgabe seiner drei vollendeten Sonaten in den Lettern eines typischen Notendrucks aus dem 18. Jahrhundert stechen zu lassen, so zunächst in der Cellosonate, die als erste der drei im Sommer 1915 vollendet wurde.
Auch die Musik selbst ist voller Reminiszenzen an den französischen Barock. Die Cellosonate beginnt mit einem Prolog. So wie jeder französische Barockkomponist eine Oper mit einem Prolog eröffnete und ihn mit einer “französischen Ouvertüre” in punktierten Rhythmen beginnen ließ, hebt auch die Debussysonate an: mit dem resoluten Duktus, den Rhythmen und Spielfiguren einer solchen Ouvertüre im Klavier. Das Cello antwortet im gleichen Duktus, aber rhythmisch frei, mit einer Art Kadenz. Flirrende Bewegung in gebrochenen Dreiklängen tritt an die Stelle des fugierten Mittelteils einer Barockouvertüre, bevor das pathetische Motiv des Beginns wiederkehrt.

Den zweiten und dritten Satz hat Debussy zu einer Einheit zusammengefasst: Sérénade et Finale. Der Prolog eröffnet keine Tragödie, sondern eine heitere, leicht ironische Ständchenszene mit buffoneskem Finale. Zu Beginn der Serenade verwandelt sich das Cello mittels Sempre Pizzicato, gezupfter Noten, in eine große Gitarre, auf der ein Ständchen angestimmt wird. Die gestrichenen Noten im weiteren Verlauf sollen laut Debussys Anweisung “ironique” klingen. Der Cellist wechselt nicht nur ständig zwischen gestrichener und gezupfter Saite, sondern auch zwischen feurigem Vorangehen und plötzlichem Innehalten, zwischen An- und Abschwellen der Lautstärke, kraftvoller und “flötender” Tongebung. Man hat es ganz offenbar mit einem grotesken Liebhaber aus der Commedia dell’arte zu tun, der hier seiner Angebeteten auf bizarre Weise huldigt. Am Ende des Satzes scheint er erhört zu werden, denn ein erwartungsvoll gespanntes A des Cellos mündet unmittelbar in das “leichte und nervöse” Finale, das in flirrender Bewegung über dem barocken Bass der Passacaglia beginnt. Con fuoco und Appassionato, feuriger und leidenschaftlicher Ausdruck, prägen diesen Satz, den die Rückkehr des barocken Motivs aus dem Prolog feierlich beschließt.

Gabriel Fauré (1845-1924):"Après un  Rêve,  op.7 No.1

Über die Musik von Gabriel Fauré äußerte sich sein Lehrer Camille Saint-Saëns überschwenglich: “Man findet in ihr alles, was verführen kann: neue Formen, kühne Modulationen, kuriose Klänge, einen gänzlich unvorhersehbaren Gebrauch der Rhythmen; und über all dem waltet ein Zauber, der das ganze Werk umhüllt und der die breite Masse der gewöhnlichen Zuhörer dazu bringt, ungeahnte Kühnheiten als die natürlichste Sache von der Welt hinzunehmen.”

Diese Charakteristik trifft auch auf Faurés Harfenstücke zu, die freilich allzu rar sind. Deshalb begannen schon zu seinen Lebzeiten die Harfenisten damit, seine Lieder und Kammermusik mit Klavier für ihr Instrument zu arrangieren. Après un rêve gilt als Faurés populärstes Lied, obwohl es zu seinen ganz frühen gehört. 1878 vertonte er eine anonyme italienische Madrigaldichtung, die das Erwachen nach einem tiefen Schlaf und verliebten Träumen schildert. In der Bearbeitung für Cello und Harfe wird daraus ein wundervolle, kleine Elegie in melancholischer Mollfärbung.

Franz Schubert (1797-1828):Sonate  in a-Moll, D821, original für Arpeggione und Klavier, in der Fassung für Cello und Klavier

DAS JAHR 1824 markiert in Schuberts Schaffen einen Wendepunkt: den Aufbruch zur “großen Sinfonie”, den großen Streichquartetten und Klaviersonaten einerseits, die Öffnung für die Virtuosenliteratur des Salonzeitalters andererseits. Befreundete Instrumentalvirtuosen konnten Schubert zur Komposition von Salonpiècen überreden, die dennoch den hohen Kunstanspruch des gereiften Komponisten erfüllten. Eine solche ist die a-Moll-Sonate für Arpeggione und Klavier. Sie gehört damit in ein an Kammermusik besonders reiches Frühjahr, in dem auch das Oktett D 803, das d-Moll-Quartett “Der Tod und das Mädchen” D 810 und die Flötenvarationen D 802 entstanden.

Das im März 1824 komponierte Stück ist einem heute vergessenen Instrument gewidmet, das man in Wien seinerzeit “Bogen-Gitarre” oder “Gitarre-Violoncell” nannte. Es hatte sechs Saiten in Gitarrenstimmung mit Bünden, wurde aber “nicht mit den Fingern gegriffen, sondern mittelst eines Bogens gestrichen” und war “an Schönheit, Fülle und Lieblichkeit des Tones in der Höhe der Hoboe, in der Tiefe dem Bassetthorne ähnlich”, wie eine zeitgenössische Kritik bemerkt.

Hätte Schubert nicht seine berühmte Sonate dafür geschrieben, wäre die Arpeggione - ähnlich den verwandten Streichinstrumenten Viola pomposa und Baryton – längst vergessen. Als die Sonate 1871 im Druck erschien, wurde sie mit alternativen Streicherstimmen für Violine oder Cello veröffentlicht. Von diesen hat sich die Cellofassung durchgesetzt, so dass wir dank der Erfindung des Wiener Instrumentenbauers Staufer und der Beflissenheit des Arpeggionisten Vinzenz Schuster indirekt in den Besitz einer Cellosonate von Schubert gelangt sind. Der bedeutendste Satz ist der erste in Sonatenform mit einem an den Beginn der “Unvollendeten” erinnernden Thema. Das kurze Adagio dient als eine Art Einleitung zum gefällig-virtuosen Rondofinale.

Quellenangabe: Wikipedia und Kammermusikfuehrer.de


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Konzert am Donnertag, dem 27. April 2017, 20:00 Uhr in der Kirche Sülfeld 

Konzert mit dem Duo Dreyer/Firkins

Angela Firkins (Flöte), Gesine Dreyer(Harfe)

Harfe und Flöte, das sind Musikinstrumente mit einer Geschichte von mehreren tausend Jahren. Im Laufe ihrer langen Geschichte sind sie zu modernen Musikinstrumenten geworden mit einer Vielfalt an musikalischer Ausdruckskraft, ohne die das heutige Musikleben nicht vorstellbar ist. Wir freuen uns, dass wir unseren Konzertbesuchern ein Konzert mit diesen traditionsreichen und doch modernen Instrumenten anbieten können.


Gesine Dreyer, Harfe

Gesine Dreyer studierte Harfe an der Hamburger Musikhochschule bei Prof. Julie Raines und Prof. Maria Graf. Sie absolvierte Meisterkurse bei Susanna Mildonian und Ursula Holliger. Nach einem Zeitvertrag beim Opernhaus- und Museumsorchester Frankfurt, war sie von 1994 bis 2001 Soloharfenistin des Philharmonischen Orchesters Kiel.

Heute lebt sie mit ihrer Familie in Hamburg und arbeitet als Honorarprofessorin an der Hochschule für Musik «Hanns Eisler», Berlin, unterrichtet die Harfenklasse der Musikhochschule Lübeck seit 2009 und konzertiert als freischaffende Harfenistin. Ihre Orchesteraushilfen führen sie regelmäßig zur Radiophilharmonie Hannover, der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen, der Hamburger Staatsoper und weiteren Orchestern.

Daneben tritt Gesine Dreyer als Kammermusikerin auf; zum Beispiel mit Ingo Zander (Violoncello), Birgit Bachhuber (Harfe) und Dorothee Frieß (Sopran).

Angela Firkins, Flöte

Angela Firkins studierte bei Jean-Claude Gérard (Hamburg), bei W. Bennett (Freiburg) und bei Paul Meisen (München).

Nach mehreren ersten Preisen im Wettbewerb Jugend musiziert erhielt sie 1985 einen Preis beim Deutschen Musikwettbewerb und 1986 den 1. Preis beim Wettbewerb der Deutschen Hochschulen. Als Mitglied des Albert-Schweitzer-Quintetts war sie Preisträgerin bei zahlreichen Wettbewerben (Deutscher Musikwettbewerb, ARD-Wettbewerb u.a.) und produzierte diverse Rundfunkaufnahmen und CDs, für die das Ensemble den Preis der deutschen Schallplattenkritik erhielt.

Nachdem sie lange Zeit Mitglied im Bundesjugendorchester, in der Jungen Deutschen Philharmonie und im Jugendorchester der Europäischen Gemeinschaft war, wurde sie von 1988 bis 1993 Soloflötistin der Hamburger Symphoniker und 1994 Soloflötistin der Radiophilharmonie Hannover des NDR.

1997 folgte die Berufung als Professorin an die Musikhochschule Lü̈beck.

Neben der Konzerttätigkeit im In-und Ausland in unterschiedlichen Kammermusikformationen wirkt Angela Firkins regelmäßig als Dozentin bei Kammermusik- und Meisterkursen, sowie als Jurorin bei Wettbewerben mit.


Das Programm des Abends: 


Jean- Marie Leclair                               Sonate op.9, Nr.11  für Flöte und basso continuo

(1697-1764)                                        Andante - Allemanda - Sarabanda - Menuetto


Heinz Holliger                                     (t)air(e), für Flöte solo

(*1939)


Heinz Holliger                                    Sequenzen über Johannes I,32  für Harfe solo


Gabriel Faure´                                   Fantaisie für Flöte und Harfe, op.79

(1845-1924)

               - - - - - - 

Carl Phlilipp Emanuel Bach                 Hamburger Sonate G-Dur für Flöte und basso continuo

(1714-1788)                                     Allegretto - Rondo,presto


W.A.Mozart                                      Sonate V in C-Dur, KV 14  für Flöte und Harfe

(1756-1791)                                    Allegro - Allegro - Menuetto primo - Menuetto secondo en Carillon 


Sir Arnold Edward Trevor  Bax         Sonata for flute and harp

(1883-1953)                                  Allegro Moderato - Lento - Moderat Giocoso



Die Flöte und ihre lange Geschichte

Die allerersten Flöten der prähistorischen Zeit wurden vermutlich aus Tierknochen hergestellt (Knochenflöte), vielleicht aber auch aus weniger dauerhaftem Material (beispielsweise Holz), das in der Regel nicht erhalten ist.

Als älteste erhaltene Musikinstrumente Europas gelten etwa 42.000 bis 43.000 Jahre alte steinzeitliche Knochenflöten, die auf der Schwäbischen Alb gefunden wurden. Eine aus dem Knochen eines Gänsegeiers hergestellte Flöte wurde im Sommer 2008 in der Höhle Hohle Fels bei Schelklingen gefunden. Relativ gut erhaltene oder rekonstruierbare Flöten mit Grifflöchern wurden in der Geißenklösterle-Höhle entdeckt. Die Funde zeigen, dass Menschen schon in der Steinzeit, genauer im Jungpaläolithikum, Musik gemacht haben. Zwei der Flöten aus dem Geißenklösterle sind in einem Stück aus Schwanenknochen gefertigt. Die dritte besteht aus zwei zusammengefügten, aus Mammutelfenbein geschnitzten Halbröhren; sie wurde mit mindestens drei, etwa im Terzabstand gestimmten, Grifflöchern versehen (ein viertes könnte weggebrochen sein) und mit seitlichen Kerbungen verziert. Auf Grund des sehr hohen Alters der Flöte ist eine Zuschreibung an den modernen Menschen (Homo sapiens der Cro-Magnon-Epoche) oder den Neandertaler ungewiss; für ein Neandertaler-Artefakt könnte die (vermutete) Verleimung und Abdichtung der beiden Hälften mit Birkenpech sprechen.

Der Hebräer Jubal, dessen Alturgroßvater Kain war, wird in der Bibel als der Urvater aller Zither- und Flötenspieler bezeichnet.

Das früheste bekannte eindeutige Bild einer Querflöte wurde auf einem etruskischenRelief in Perusa gefunden. Es stammt aus dem zweiten oder ersten Jahrhundert vor Christus. Das Instrument wurde damals nach links gehalten, erst in einer Illustration eines Gedichts aus dem elften Jahrhundert wurde eine Darstellung einer nach rechts gespielten Flöte entdeckt.

Als einfache Musikinstrumente wurden Flöten (neben Trommeln) schon in der Prähistorie bei religiösen Kulten benutzt beziehungsweise werden es noch heute bei Naturvölkern. In der Literatur haben Flöten oft den Charakter des Jenseitigen, von Tod und Vergänglichkeit.

Die Harfe und ihre lange Geschichte

Es gibt Hinweise auf Harfen im Alten Ägypten und in Mesopotamien seit etwa 3000 v. Chr. Die ersten Abbildungen von Harfen erscheinen in Mesopotamien und im Alten Ägypten etwa 2400 v. Chr. zeitgleich mit Leiern. Die älteste, mit Namen und auf einer Abbildung aus dieser Zeit bekannte ägyptische Harfenspielerin hieß Hekenu. Sie begleitete die damals offensichtlich berühmteste Sängerin Iti. Aus der Kykladenkultur haben sich zehn Marmorstatuetten mit sitzenden Harfenspielern erhalten, die von ca. 2600 bis 2200 v. Chr. entstanden sind.

Diese ältesten Harfen waren Bogenharfen, denen um 1900 v. Chr. ein neuer Harfentyp nachfolgte, dessen Hals in einem rechten oder spitzen Winkel vom Resonanzkörper abging. Die Zahl der Saiten konnte bei den Winkelharfen deutlich erhöht werden.

Archäologen aus Innsbruck haben eine 2000 Jahre alte, geschnitzte Winkelharfe rekonstruiert. Der aus Hirschgeweih geschnitzte Arm der Harfe ist reich verziert und trägt eine rhätische Inschrift. Im nördlichen Europa (im Gegensatz zum Mittelmeerraum) erscheinen die ersten Abbildungen von Harfen in Irland um etwa 800 n. Chr. Diese Harfen bilden mit ihren Charakteristika (geschwungener Hals, abgeschrägte Saitenanordnung) den Grundtypus aller heute weltweit gebräuchlichen Harfen.

Das „biblische Harfe“ oder „Davidsharfe“ und im Alten Testament kinnor genannte Saiteninstrument, mit dem der hebräische König David die bösen Geister seines Vorgängers Saul austrieb, war wahrscheinlich eine Leier.

Vier der ältesten Harfen haben sich in Europa erhalten: Es sind dies drei keltische Harfen aus dem 15. oder 16. Jahrhundert. Bei der nach dem legendären irischen Hochkönig Brian Boru benannten Harfe mit einem aus einem einzigen Stamm gebeiteltenKorpus kam als Resonanzholz Weidenholz zum Einsatz. Diese Harfe kann in der Bibliothek des Trinity College in Dublin besichtigt werden. Die Brian-Boru-Harfe ist im Wappen der Republik Irland sowie auf der Flagge der irischen Provinz Leinster zu sehen, auch ist sie auf den irischen Euromünzen abgebildet, und war davor lange auf allen Münzen des irischen Pfundes zu sehen. Zwei sehr ähnliche Exemplare, die Queen Mary Harp und die Lamont Harp befinden sich im Museum of Scotland in Edinburgh. Eine vierte Harfe, die sogenannte „Wolkenstein-Harfe“ oder „Eisenach-Harfe“ vom Ende des 14./Anfang des 15. Jahrhunderts, kann man heute auf der Wartburg in Eisenach besichtigen.

Texte zur Flöte und Harfe aus Wikipedia

(Textzusammenstellung: Hans Jürgen Thomsen, Kattendorf, E-Mail: kammermusik-borstel@web.de) 
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Konzert am Samstag dem 18. Februar 2017, 19:00 Uhr im Herrenhaus Borstel 


Konzert mit dem Duo Menzel/Mednik

Albrecht Menzel (Violine), Mara Mednik (Klavier)

Albrecht Menzel spielt eine Stradivari (1709), eine Leihgabe der Deutschen Stiftung Musikleben Hamburg.


Die drei Violinsonaten von Johannes Brahms gelten als Meisterwerke der klassischen Kammermusik und gehören zum anspruchsvollsten und schönsten Repertoire für jeden Geiger.

Drei Sonaten hat Johannes Brahms dem Zusammenspiel von Geige und Klavier gewidmet - einer Gattung, die damals von vielen totgesagt wurde. Ihm gelang es, die Form mit neuem Leben zu füllen. An diesem Konzertabend mit den Künstlern Albrecht Menzel und Mara Mednik hören wir diese drei großartigen Sonaten von Johannes Brahms.

Anne-Sophie Mutter äußerte sich in einem Gespräch zu diesen Sonaten                                                            (http://www.anne-sophie-mutter.de/projekte-brahms-violinsonaten.html ) :

Meine erste Begegnung mit den Brahms-Violinsonaten hatte ich ganz am Anfang meiner musikalischen Laufbahn, in meinem sechsten Lebensjahr. Ich hatte gerade erst begonnen, Geige zu spielen, da erlebte ich David Oistrach und Frieda Bauer in Basel mit den drei Brahms-Sonaten. Die Musik nahm mich total gefangen. Und das lag nicht nur an David Oistrachs Persönlichkeit, an diesem warmen Samt in seinem Ton, seiner unglaublichen Ausdruckskraft, und es lag nicht nur daran, dass dieses Konzert meine Liebe zur Geige natürlich generell verstärkte; nein, es lag auch an Brahms’ Musik selbst. Sie erschien mir als perfekt geeignet für die Violine, weil sie ihren gesanglichen Qualitäten gerecht wird. Als ich das erste Mal die Sonaten gespielt habe, muss ich schon 15, 16 gewesen sein. Es gab immer Zeiten in meinem Leben, in denen ich mich intensiv mit einem bestimmten Komponisten beschäftigte, wie bei dem Mozart-Zyklus, den wir vor ein paar Jahren gemacht haben, oder wie bei dem Beethoven-Zyklus von 1998. Und es gab also auch diese Phase, in der ich mich noch als Teenager sehr, sehr intensiv mit Brahms auseinandergesetzt habe. Das war um die Zeit meiner Aufnahme des Brahms-Violinkonzerts und des Brahms-Doppelkonzerts mit Herbert von Karajan. Und damals entstand auch meine erste Aufnahme der Sonaten.

Albrecht Menzel, 1992 geboren, erhielt seinen ersten Geigenunterricht bereits mit vier Jahren und debütierte mit dreizehn Jahren als Solist bei den Dresdner Musikfestspielen.

Dirigiert von Maestro Kurt Masur spielte der neunzehnjährige Albrecht Menzel das Mendelssohn Violinkonzert op. 64 mit dem Leipziger Symphonie Orchester bei den Mendelssohn Festtagen Leipzig 2011. Begeistert wurde die „…grandiose, mitreißende, lebendige Interpretation…“ vom Publikum und der Presse aufgenommen und als eine fulminante Interpretation bezeichnet „…die auch in den großen Konzertsälen der Welt nicht oft zu hören ist…“ (Leipziger Volkszeitung 2011)

Albrecht Menzel spielte als Solist gemeinsam mit Anne-Sophie Mutter u.a. in der Philharmonie Berlin, der Philharmonie Luxemburg und tourte mit der Künstlerin in den USA, Kanada und Europa zu Konzerten in der Carnegie Hall, Kennedy Center Washington und Roy Thomson Hall Toronto.

Als Kammermusiker musizierte Albrecht Menzel mit Künstlern wie Gidon Kremer, Steven Isserlis, Julian Rachlin, Jan Vogler, Igor Levit und Julien Quentin.

Albrecht Menzel gewann den 1. Preis und den Grand Prix des Internationalen Violin Wettbewerb Torun Polen 2016, den Internationalen Louise Henriette Wettbewerb 2004, den Internationalen Kocian Wettbewerb 2006 , den ersten Bundespreises Jugend musiziert 2007 und ist Preisträger des Internationalen David Oistrach Violinwettbewerb 2010, des Wettbewerb für Musik der Deutschen Wirtschaft 2012 und beim renommierten Premio Paganini Wettbewerb Genua 2015.

Ausgezeichnet wurde Albrecht Menzel mit einem Stipendium der Jürgen Ponto-Stiftung Frankfurt, dem Eduard-Söring-Preis und dem Gerd-Bucerius-Stipendium der Deutschen Stiftung Musikleben Hamburg.

Albrecht Menzel spielt eine Violine von Antonio Stradivari (1709), eine Leihgabe der Deutschen Stiftung Musikleben Hamburg.

Gekürzter Text aus der Homepage Albrecht Menzel. Den vollständigen Text können Sie auf der Homepagehttp://albrechtmenzel.com/lesen.

Mara Mednik wurde in Leningrad geboren und begann schon im Alter von 3 Jahren, Klavier zu spielen. Mit 5 spielte sie in der Leningrader Philharmonie, mit 7 wurde sie in die berühmte Spezialschule für Musik aufgenommen, die sie mit einer Silbermedaille abschliessen konnte. Später studierte sie am Leningrader Konservatorium bei Professor Golubowskaya und beendete ihre Aspirantur (Promotion) mit Auszeichnung bei Professor Berta Marants, Schülerin von Heinrich Neuhaus.

Nachdem sie sich für die Kammermusik entschieden hatte, wurde sie innerhalb weniger Jahre zu einer sehr bekannten Ensemblepartnerin in der ehemaligen Sowjetunion. Sie gewann siebenmal erste Preise für die beste Klavierbegleitung in nationalen und internationalen Violinwettbewerben in Russland, Deutschland, Italien und Spanien.

Später übersiedelte Mara Mednik aus St.Petersburg nach Deutschland, wo sie eine Professur für Klavierbegleitung an der Hochschule für Musik in Hamburg erhielt und sich in kurzer Zeit den Namen einer von zahlreichen bedeutenden Interpreten geschätzten Pianistin für Kammermusik erwarb.

Von 2000 bis 2004 begleitete sie die Cello-Klasse des verstorbenen Prof. Boris Pergamenschikov an der Hochschule für Musik “Hanns Eisler“ Berlin. Seit 2007 unterrichtet Mara Mednik an der Musikhochschule in Rostock.

Mara Mednik ist ein gern gesehener Gast bei den bedeuten Sommerfestivals wie dem Schleswig-Holstein Musikfestival, den Festspielen Mecklenburg-Vorpommern, dem Beethovenfest Bonn oder den Schwetzinger Festspielen und konzertierte u.a. im Conzertgebow Amsterdam, dem Münchener Gasteig, der Berliner Philharmonie und der Laeiszhalle Hamburg.

Ihre Schüler gewinnen regelmässig Preise bei zahlreichen Wettbewerben, u.a. beim Steinway Klavierwettbewerb und dem Bundeswettbewerb „Jugend musiziert“. Seit 1995 ist sie die offizielle Pianistin des Wettbewerbs des Deutschen Musikinstrumentenfonds in der Deutschen Stiftung Musikleben.

"Wenn Mara Mednik die Bühne betritt spürt das Publikum trotz ihrer grossen Bescheidenheit die Kraft, die daraus erwächst, dass sie die Musik als ihre Lebensaufgabe empfindet."

"Die Welt"

Gekürzter Text aus der Homepage Mara Mednik. Den vollständigen Text können Sie auf folgender Homepage lesen: http://www.blumina.com/mara/index.html


Auf dem Programm des Abends stehen die drei Violinsonaten

von Johannes Brahms (1833 Hamburg -1897 Wien).

 Sonate 1 G-Dur op. 78

1. Vivace ma non troppo

2. Adagio

3. Allegro molto moderato


Sonate 2 A-Dur op.100

1. Allegro amabile

2. Andante tranquillo –Vivace –Andante –Vivace di più –Andante –Vivace

3. Allegretto grazioso (quasi Andante)


PAUSE


Sonate 3 d-Moll op.108

1. Allegro

2. Adagio

3. Un poco presto e con sentimento

4. Presto agitato


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Violinsonate Nr. 1 G-Dur, op. 78, (‚Regenlied-Sonate‘)

Die eigenartige Stimmung der Sonate sei “so eindringlich niemals wieder ausgesprochen worden”, schrieb der Brahms’ Biograph Max Kalbeck.Er nannte sie ein “doppeltes Lenzlied, das die Vergangenheit mit der Gegenwart wieder zum Blühen bringt und dabei an die Hinfälligkeit der Zeiten mahnt”.

Damit bezeichnete er treffend den seltsamen Schwebezustand zwischen Dur und Moll, zwischen blühender Innigkeit und verhaltener Melancholie, in dem sich das ganze Werk bewegt. Die Freunde von Brahms empfanden schon beim ersten Durchspielen diesen eigenartigen Zauber, der über den drei Sätzen liegt. Brahms hat kein zweites Werk geschrieben, das sich so sehr dem Reiz des Melodischen überlässt und so wenig von der Arbeit mit den Motiven spüren lässt, die gleichwohl stattfindet.

Mit dem langsamen Satz, einem Adagio in Es-Dur, das sich bis zum Trauerkondukt steigert, hat es eine besondere Bewandtnis. Auf seiner Italienreise hatte Brahms Felix Schumann besucht, dem an Tuberkulose erkrankten Sohn von Clara und Robert Schumann, der sich in Palermo zur Kur aufhielt. Brahms’ Chirurgenfreund Billroth hatte den Patienten untersucht und festgestellt, dass keine Hoffnung mehr bestand. Kalbeck und andere Brahmsfreunde haben wohl mit Recht vermutet, dass das Adagio der ersten Violinsonate die Trauer über die Krankheit seines Patensohns Felix widerspiegelt. Brahms zahlte denn auch die 1000 Taler Honorar, die er von seinem Verleger Simrock für die Sonate erhielt, in den Schumann-Fonds ein. Dieser Zusammenhang mit seinem engsten Freundeskreis kehrt in den folgenden beiden Violinsonaten wieder.

Die drei Werke sind, deutlicher als seine groß besetzten Kammermusiken, intime autobiographische Bekenntnisse.

Daraus erklärt sich auch der enge Bezug aller drei Sonaten zu seinen Liedern. Das Kunstlied war für Brahms unmittelbarster Ausdruck seiner Gefühle und Weltanschauungen. Durch Liedzitate floss einiges davon in die drei Violinsonaten ein und gab ihnen einen poetischen Gehalt. Der letzte Satz der G-Dur-Sonate ist aus dem zweiten der drei sogenannten “Regenlieder” abgeleitet, die er 1872/73 über Gedichte von Klaus Groth schrieb. Ihr gemeinsamer Tenor ist der melancholische Rückblick auf die verlorene Jugend. Den beiden Liedern und dem Sonatensatz gemeinsam ist die weiche, von einer Art Tropfenmotiv durchzogene Klavierbegleitung.

Sonate Nr. 2 A-Dur für Klavier und Violine, op. 100

Johannes Brahms schrieb die Violinsonate Nr.2 A-Dur im Sommer 1886 am Thuner See in der Schweiz. In diesem Sommer konzentrierte er sich auf die Kammermusik. Brahms Leben war zu dieser Zeit nicht nur von Erfolgen geprägt, sondern auch durch den Verlust vieler Personen, insbesondere Robert Schumanns getrübt.

Diese Violinsonate spiegelt den Charakter und die Persönlichkeit von Johannes Brahms wider- Schüchternheit und Selbstprüfung, sowie Originalität und Empfindsamkeit.

Eine "Liebes- und Lieder-Sonate“ nannte Max Kahlbeck die A-Dur-Violinsonate von Johannes Brahms. Dass eine Sonate thematisch und formal fast ausschließlich im kantablen Sujet verharrt - das hatte Brahms selbst, im Zusammenhang mit dem Vorgängerwerk, der "Regenlied-Sonate“, nicht ohne Skepsis vermerkt.

Wenn Brahms die musikalische durchmessene Zeit nicht primär prozessual, sondern eher als etwas in sich Ruhendendes, Gedehntes, man könnte auch sagen: als "erfüllten Augenblick“ gestaltet, so rückt er damit einmal nicht in die Nähe des ohnehin allgegenwärtigen Beethoven, sondern in die von Franz Schubert. Das Brahmssche mit dem Schubertschen Idiom zu verschmelzen, scheint denn auch die eigentliche Herausforderung bei der Interpretation der A-Dur-Violinsonate zu sein. 

Sonate d-Moll für Klavier und Violine, op. 108

Wenn Johannes Brahms der ungarischen Volksmusik in seiner 3. Violinsonate seine Reverenz erwies, so meinte er damit eine andere ungarische Musik als der Volksmusikforscher Béla Bartók 40 Jahre später. Für Brahms blieb die Zigeuner-Folklore des 19. Jahrhunderts, die Bartók als unauthentisch anprangerte, Inbegriff ungarischer Musik.

Innerhalb der Stilentwicklung von Brahms gilt die d-Moll-Sonate als Brücke zwischen der mittleren und der späten Periode. 1888 vollendet, wurde sie bereits 1886 am Thuner See in der Schweiz begonnen, während jenes “Kammermusiksommers”, in dem Brahms auch die zweite Violin-, zweite Cellosonate und das dritte Klaviertrio komponierte.

Alle diese Werke wurden von Musikern inspiriert, die Brahms kannte: die Cellosonate von Robert Hausmann oder die A-Dur-Violinsonate von dem Wiener Primarius Josef Hellmesberger. Die d-Moll-Sonate ist nicht einem Geiger, sondern einem Pianisten gewidmet: dem Klaviervirtuosen und Dirigenten Hans von Bülow. Folgerichtig ist es der Klavierpart, der hier dominiert.

Im Vergleich zu den ersten beiden Violinsonaten mit ihren subtilen Dialogen und fein abgetönten Klangmischungen tritt die Geige hier mit dem raumgreifenden Klavierpart in einen konzertanten Wettstreit. In seiner 3. Sonate zollte Brahms dem Genre der “Grande Sonate” seinen Tribut – durch die Viersätzigkeit, die dramatischen Ecksätze und den virtuosen Klavierpart, über den sich die Geige triumphal erheben kann. Nicht umsonst ist diese Sonate heute im Konzertsaal die beliebteste seiner drei Violinsonaten.

Hatte Brahms in seinen ersten beiden Violinsonaten auf Themen aus seinen Liedern zurückgegriffen, so ist es in der d-Moll-Sonate lediglich ein liedartiger Ausdruck ohne direktes Zitat, der den langsamen Satz bestimmt.


Johannes Brahms hat die oben erwähnten drei Sonaten für Violine und Klavier komponiert. An einer weiteren Sonate für Violine und Klavier war er nur mit einem Satz beteiligt.

Diese sogenannte FAE-Sonate ist ein Gemeinschaftswerk von Robert Schumann, seinem Schüler Albert Dietrich und dem zwanzigjährigen Johannes Brahms. Die Sonate hatten sie ihrem gemeinsamen Freund, dem bedeutendsten Geiger seiner Zeit, Joseph Joachim gewidmet. Am 14. Oktober 1853 traf Joseph Joachim in Düsseldorf ein. Er sollte dort die Fantasie für Violine und Orchester von Robert Schumann aufführen und eine Soirée mit Clara Schumann geben. Brahms, Schumann und Dietrich wollten ihrem gemeinsamen Freund mit dieser Sonate überraschen. Bei einer Abendgesellschaft wurde dem berühmten Geiger die Sonate überreicht, die er dann zusammen mit Clara Schumann spielte und dabei die Komponisten der einzelnen Sätze erraten sollte, was ihm ohne Mühe gelang:

1.Satz:Allegro (Albert Dietrich)

2. Satz: Intermezzo. Bewegt, doch nicht zu schnell (Robert Schumann)

3. Satz: Scherzo. Allegro (Johannes Brahms)

4. Satz: Finale. Markiertes, ziemlich lebhaftes Tempo (Robert Schumann)

Das Motto F. A. E. entstand als Abkürzung für „Frei aber einsam“, Joseph Joachims Devise jener Zeit. Das Sonatenmanuskript trug auf dem Umschlag folgenden Titel:

F. A. E.

In Erwartung der Ankunft des verehrten und geliebten Freundes

Joseph Joachim

schrieben diese Sonate

Robert Schumann, Albert Dietrich und Johannes Brahms

In Noten umgesetzt, diente das Motto F-A-E zugleich als musikalisches Ausgangsmaterial der thematischen Bildungen, wie auch die in der Zueignung angedeutete Umkehrung. Die Tonfolge F-A-E erscheint in den vier Sätzen, auch in veränderter Reihenfolge, teils als deutliches Motiv, teils geht sie in Themen und Begleitfiguren ein. Am deutlichsten tritt sie in den Sätzen von Albert Dietrich und Robert Schumann zutage, ziemlich versteckt bei Johannes Brahms. Hinsichtlich der Themenbildung scheint es Absprachen zwischen Dietrich und Brahms gegeben zu haben.


Quellen:

Wikipedia, Villa Musica, Deutschlandfunk Kultur,

http://www.deutschlandradiokultur.de/violinsonate-von-johannes-brahms-in-erwartung-der-ankunft.1275.de.html?dram:article_id=319110

(Textzusammenstellung: Hans Jürgen Thomsen, Kattendorf, E-Mail: kammermusik-borstel@web.de)

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Konzert am Donnerstag dem 19. Januar 2017 in der Kirche Sülfeld


Neujahrskonzert mit dem Duo Lunte/Münther

Frank Lunte (Altsaxophon), Henning Münther (Orgel)     

Konzert für Saxophon & Orgel

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„Saxophon und Orgel? Das macht neugierig. Frank Lunte und Henning Münther überraschten mit einer virtuosen Verbindung zweier Instrumente, die auf den ersten Blick so gar nichts miteinander zu tun haben, nach dem ersten Lauschen jedoch nie wieder getrennt werden wollen.“

Eckernförder Zeitung

Das klassische Saxophon als solistischer Partner der symphonischen Orgel – eine Idee, die Frank Lunte und Henning Münther in über zwanzigjähriger Zusammenarbeit fortwährend weiterentwickelten. Wie kein anderer Klangkörper verfügt die „Königin der Instrumente“ über einen orchestralen Reichtum an Stimmen und Farben, die von leisesten Momenten eines zarten Registers bis zum großen Tutti sämtlicher Pfeifen eine faszinierende Palette klanglicher Vielfalt bietet. Eingebettet in dieses apart changierende Kolorit der Orgel kann sich der geschmeidige Klang des Saxophons frei entfalten – hier in einer romantischen Melodie, dort in einer virtuosen Variation. Die unterhaltsamen Themen populärer Opern, Musicals und Ballette laden beide Instrumente – in jedem Kirchraum aufs Neue – zu einem weiteren musikalischen Abenteuer ein.

Seit 1991 konzertieren die beiden in Berlin und Ahrensburg lebenden Musiker regelmäßig. Konzerte im Magdeburger Dom, im Hamburger Michel, im Dom zu Quedlinburg, im Lübecker Dom und im Greifwalder Dom zählten zu den Höhepunkten ihrer sommerlichen Tourneen. Die erste CD des Duos „Romantisch – Elegant – Virtuos“ ist 2007 erschienen. Silvester 2010 haben Frank Lunte und Henning Münther ihre zweite CD im Rahmen eines Festkonzerts in der Peter-und-Paul-Kirche zu Bad Oldesloe präsentiert.

Frank Lunte, geboren in Minden, studierte an der Hochschule der Künste Berlin und schloss sein Konzertexamen mit Auszeichnung ab. Für das Label eda records editierte er mit der Pianistin Tatjana Blome eine vierteilige CD-Dokumentation mit Musik für Saxophon und Klavier aus Berlin und Deutschland, für die Deutsche Grammophon produzierte er das Saxophon-konzert von Lars-Erik Larsson mit der Kammersymphonie Berlin unter der Leitung von Jürgen Bruns. Konzertreisen führten ihn durch Europa, nach Russland und Brasilien. Als Co-Herausgeber veröffentlichte er im Jahr 2014 ein Buch über den Erfinder Adolphe Sax im Berliner Nicolai Verlag.

Henning Münther, geboren in Minden, studierte Kirchen- und Schulmusik an der Musikhochschule in Lübeck und schloss mit dem Kirchenmusik-A-Diplom ab. Seit 1996 ist er Kantor und Organist an der Peter-Paul-Kirche zu Bad Oldesloe. Der Schwerpunkt seiner Tätigkeit liegt in der Leitung verschiedener Chöre, die mit Musical-, Gospel- und Oratorien-Aufführungen die Vielfalt der Kirchenmusik auch über die Grenzen von Bad Oldesloe hinaus repräsentieren. Zahlreiche regionale CD-Produktionen sowie Gast-Engagements mit verschiedenartigen Chorprojekten runden Henning Münthers Tätigkeit ab.


Konzert für Saxophon & Orgel

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Jules DemerssemanFantaisie sur un thème original

(1833 - 1866)

Peter TschaikowskyNussknacker-Suite op. 71a

(1840 – 1893)- Ouverture

- Marsch

- Tanz der Zuckerfee

- Russischer Tanz

- Arabischer Tanz

- Chinesischer Tanz

- Pfeifertanz

- Blumenwalzer

Camille Saint-SaënsDer Schwan

(1835 - 1921)aus: Der Karneval der Tiere

für Orgel

Franck de la MècheLe carnaval de Venise

(*1968)für Saxophon

Hans-André Stamm Rondo alla celtica

(*1958) für Orgel

Louis Adolphe MayeurGrande Fantaisie

(1837 - 1894)sur ‚Norma‘ de V. Bellini

::::::P a u s e::::::

Eugène BozzaAria

(1906 - 1991)

Leonard BernsteinOh, Happy We

(1918 - 1990) aus: Candide

Gustav HolstProcessional und Recessional

(1874 - 1934)aus: The Planets, „Jupiter“

John Williams (*1932)Star Wars Theme aus: Star Wars

Edward ElgarMarch No.1

(1857 - 1934)aus: Pomp and Circumstance Marches op. 39

François BorneFantaisie brillante

(1840 - 1920)sur des airs de ‘Carmen’

de Georges Bizet


obiger Text vom Duo Lunte/Münther    www.saxofonorgel.de


Folgender Text aus "Wikipedia"

Das Saxophon (nach reformierter Schreibung auch Saxofon) ist ein Musikinstrument aus Messing.[1] Das Rohr ist konisch, es weitet sich also zum Ende hin. Damit unterscheiden sich alle Bauweisen des Saxophons etwa von der zylindrischen Klarinette. Das Saxophon gehört der Definition nach, anders als sein metallischer Korpus vermuten lässt, zur Familie der Holzblasinstrumente, da sein Ton mit Hilfe eines Rohrblatts erzeugt wird.

Geschichte und Allgemeines

Das Instrument wurde als „Saxophon“ von dem Belgier Adolphe Sax (eigentlich Antoine Joseph Sax) im Jahr 1840 erfunden und am 21. März 1846 unter der Nummer 3226 in Frankreich patentiert.[2] Im Patentantrag begründet Sax seine Erfindung mit dem Fehlen gut klingender Holzblasinstrumente der tiefen Lage und wollte mit der Erfindung des Saxophons ein Holzblasinstrument kreieren, das klanglich zwischen dem „wärmend-biegsamen“ Klang der Klarinette und dem eher durchdringenden, näselnden Sound der Oboe liegt.

Das erste von Adolphe Sax gebaute Saxophon war ein Bassinstrument in C. Er konzipierte das neue Instrument jedoch von vornherein für die Stimmlagen von Sopran bis Subkontrabass, abwechselnd im Quart-/Quintabstand. Dabei sah er die C/F-Stimmung für den Gebrauch im Sinfonieorchester vor, während die B/Es-Stimmung für die Militärmusik gedacht war. Die C- und F-Instrumente werden heute kaum noch hergestellt und hatten nie die Bedeutung, die sie nach ihrem Erfinder hätten haben sollen. Einzig das C-Melody-Saxophon wurde bis in die 1950er-Jahre gebaut und im Jazz, vor allem im Swing, viel verwendet.

1929 übernahm Henri Selmer die Pariser Werkstatt von Adolphe Sax und wurde zum offiziellen Inhaber von dessen Patentrechten. 2010 feierte Henri Selmer Paris das 125-jährige Firmenjubiläum. Saxophone von Henri Selmer Paris, besonders das Mark VI, haben mittlerweile Kultstatus und gehören zu den handwerklich herausragenden Produkten.

Erst längere Zeit nach seiner Erfindung begann schlussendlich mit dem Aufkommen des Jazz in New Orleans der eigentliche Siegeszug dieses Instruments, mit seinem sehr variablen Klang und großen dynamischen Umfang.

Seiner Historie folgend ist das Saxophon also nicht mit dem Jazz entstanden bzw. wurde gar nicht hierfür entworfen, sondern war eigentlich für die klassische „ernsthafte“ Konzertmusik vorgesehen, in der es sich allerdings bis heute nie (zumindest nicht ansatzweise wie im Jazz) behaupten konnte.

Entgegen der landläufigen Meinung ist das Saxophon dennoch bei weitem kein Instrument, das nur im Jazz zu Gebrauch kommt. Tatsächlich werden Saxophone seit dem 20. Jahrhundert in unzähligen Musikgenres verwendet, einschließlich Pop, Rock ’n’ Roll, elektronischer Musik, aber auch in serieller Musik sowie zahlreichen weiteren Genres. Auch bei Konzert- und Tanzmusik ist es eines der beliebtesten Soloinstrumente, und viele bekannte Saxophon-Solisten haben ihre eigenen Bands oder Combos gegründet.

Aufbau und Bauformen

Der Ton entsteht beim Saxophon durch ein einzelnes schwingendes Rohrblatt (wie z. B. auch bei der Klarinette). Deswegen zählt das Saxophon zu den Holzblasinstrumenten und nicht, wie sich aufgrund des Korpusmaterials vermuten ließe, zu den Blechblasinstrumenten.

Das Saxophon ist in drei Einzelteile zerlegbar:

  1. Mundstück mit Rohrblatt und Blattschraube (Ligatur)
  2. S-Bogen
  3. Korpus

Das Sopranino- und Soprillo- sowie manche geraden Sopransaxophone bestehen nur noch aus Korpus und Mundstück.

Beim Spielen wird das Instrument meist an einem Tragriemen befestigt, den sich der Spieler um den Hals hängt. Für größere Instrumente (ab Baritonsaxophon und größer) sowie für kleinere Saxophonisten gibt es auch Rücken- oder Schultergurte. Diese setzen sich wegen des höheren Tragekomforts in jüngerer Zeit auch vermehrt bei Tenorsaxophonisten durch, schränken aber deren Beweglichkeit und Spieldynamik stark ein. Sopransaxophon und Sopraninosaxophon spielt man oft ohne Trageriemen. Basssaxophone und größere werden meistens im Ständer und sitzend gespielt, da sie für einen bloßen Gurt zu schwer sind.

Anders als die Klarinette überbläst das Saxophon nicht in die Duodezime, sondern (wie die Querflöte und Oboe) in die Oktave. Dies wird durch den konischen Verlauf der Schallröhre (eng am Mundstück und sehr weit am Schallbecher) verursacht. Grifftechnisch ist das Instrument weitgehend mit der B-Klarinette und teilweise auch mit der modernen Querflöte verwandt.

Am häufigsten in Gebrauch sind Alt- und Tenorsaxophon, gefolgt von Sopran- und Baritonsaxophonen und anschließend dem Basssaxophon, während die Varianten in den extremen Lagen seltener – solistisch oder zur Bereicherung der Klangfarben in größeren Ensembles – eingesetzt werden. Das Altsaxophon ist nicht zuletzt deshalb am beliebtesten, weil es von Größe, Preis und Gewicht her auch als Anfängerinstrument für Kinder und Jugendliche geeignet ist. Hinzu kommt, dass die hohen Töne keinen allzu starken Ansatz und die tiefen nicht zu viel Luft erfordern.

Weitere Bauformen

Seit Anfang dieses Jahrtausends gibt es ein noch kleineres Saxophon als das Sopranino: Das Soprillo in B-Stimmung in gerader Bauform mit Applikatur bis zum hohen e, bei normalem Fingersatz. Eine Besonderheit ist die obere Oktavklappe, die im Mundstück eingebaut ist. Die Schallröhre des Soprillos hat eine Länge von 30 cm.

Etwa seit der gleichen Zeit gibt es auch sehr gut spielbare Kontrabass- und Subkontrabass-Saxophone. Ihre Bauform weicht etwas von der klassischen Form ab: Das Hauptrohr ist nochmals gebogen. Dadurch werden diese Instrumente kompakter. In modernisierter Bauform, Tubax genannt, werden Kontrabass- und Subkontrabasssaxophon in Deutschland von Benedikt Eppelsheim hergestellt. Beide haben kleinere Mundstücke (Bariton- bzw. Basssaxophonmundstück), was die Ansprache verbessert, und eine engere Mensur, wodurch weniger Luft verbraucht wird und längere Töne gespielt werden können.

Die Beweglichkeit und Vielseitigkeit des Saxophons führte zu zahlreichen Experimenten. Das Conn-O-Sax (um 1928) wurde in einer geraden Form mit einem bauchigen Schallstück gebaut. Die gerade Form des Saxophons verleiht dem Instrument einen oboenartigen Klang. Beim Conn-O-Sax wird durch das kugelartige Schallstück der nasale Klang eines Doppelrohrblattinstruments (Oboe, Englischhorn oder Fagott) erreicht. Die F-Stimmung dieses Instruments gleicht der des Englischhorns, liegt also einen Ganzton höher als die des Altsaxophons in Es und entspricht damit der ursprünglichen Intention von Sax, ein sinfonieorchestertaugliches Instrument zu bauen. Obwohl seine Vorteile gegenüber dem Englischhorn überwiegen, hat sich das Instrument nicht durchgesetzt.

Das Saxello ist ein Bb-Sopransaxophon mit zurückgebogenem Kopfende und nach vorne gebogener Spitze. Es wurde ab etwa 1924 von der King H. N. White Company gefertigt (King Saxello), seine Produktion wurde aber in den 1930er Jahren während der Großen Depression eingestellt. Heute jedoch werden Saxellos wieder produziert.[4] Bekannt wurden sie u. a. durch den Jazzmusiker Rahsaan Roland Kirk, der auch auf dem ähnlichen Manzello spielte. Er spielte auch ein Stritch genanntes umgebautes Altsaxophon von Buescher.

Eine andere Entwicklung ging dahin, Saxophone aus Holz zu bauen, um einen weicheren Klang zu erzielen. Diese Formen sind allerdings instrumentenbaulich schwer herzustellen und weisen starke Intonationsprobleme auf. Das Holzsaxophon ist der Klarinette und dem ungarischen Tárogató sehr ähnlich.

In den 1950er Jahren baute die Firma Grafton eine kleine Serie von Saxophonen aus Kunststoff, die durch Ornette Coleman[5] und Charlie Parker[6] bekannt wurden. Das Konzept des Kunststoff-Saxophons wurde mit Erscheinen des ersten Vibratosax der thailändischen Firma Vibrato seit 2010 wiederbelebt.

Auch in Bezug auf die Technik zur Abdeckung der Tonlöcher wurden verschiedentlich neue Ansätze verfolgt. Der Regelfall ist auch heute noch die Verwendung hohler Metallklappen, die innen mit einem mit Leder überzogenen Filzpolster ausgefüllt sind. Das Material dieser Polster wurde im Zuge der technischen Entwicklung auch durch moderne Kunststoffmaterialien (Codera, TopTone oder Jim Schmidt (USA)) ersetzt, die gepolsterte Klappe ist jedoch bis heute Standard. Zur Verbesserung des Resonanzverhaltens werden bei den größeren Klappen verschiedene Auflagen aus Metall oder Kunststoff (sogenannte Resonatoren) verwendet, die auf das Polster aufgenietet, im Fall der Buescher-Snap-In-Polster auch eingeschraubt sein können. Heute wie damals werden in 99 % aller Saxophone lederbezogene Polster verbaut.

Eine Ausnahme stellte ein in der Zeit von 1938 bis 1941 vorübergehend von Selmer USA produziertes Saxophon dar: In Zusammenarbeit mit dem damals renommierten US-amerikanischen Hersteller Buescher wurde ein Saxophon ohne Klappenpolster („a padless saxophone“) entwickelt, bei dem die Dichtung der Tonlöcher durch einen Lederring am Tonloch selbst und die Verwendung absolut plangeschliffener Messingklappen erzielt wurde. Obwohl Resonanzverhalten und Ansprache des Modells als sehr gut beschrieben wurden, waren die dünnen Dichtungsringe auf die Dauer zu anfällig, sodass das System bald wieder vom Markt verschwand.

Eine besondere Form der Klappenpolster findet sich beim zuvor erwähnten Vibratosax Kunststoff-Saxophon: die Polster bestehen gänzlich aus flexiblem Silikon und sind direkt am Hebel, an einem, verhältnismäßig kleinen, im Durchmesser nur wenige Millimeter messenden Punkt, rundum beweglich aufgehängt. Die Klappen sind hierdurch vollständig selbstnivellierend, was dafür sorgt, dass die Tonlöcher stets bestmöglich geschlossen werden, und den Wartungsaufwand, verglichen mit traditionellen Tonlochabdeckungen, entsprechend merklich reduziert.

Eher wegen des Namens und seines Klangs, als von den charakteristischen Instrumenten-Eigenschaften her, kann noch das Taschensaxophon als Form des Saxophons angesehen werden, das aber eher ein Mittelding zwischen Klarinette und Flöte darstellt.

Spieltechnik

Das Mundstück wird so in den Mund genommen, dass die oberen Schneidezähne vorn auf der schrägen Fläche liegen. Beim klassischen (geschlossenen) Ansatz wird, wie bei der Klarinette, die Unterlippe leicht über die unteren Zähne nach innen gezogen und gegen das Blatt gedrückt. Im Gegensatz dazu wird beim modernen (offenen) Ansatz die Unterlippe nach außen gewölbt. Dabei dürfen die Zähne das Blatt nicht berühren. Mit diesem Ansatz wird eine härtere Klangfarbe erzielt. Damit das Blatt leichter anspricht, wird es vor dem Spielen von beiden Seiten befeuchtet.

Die linke Hand bedient die oberen Klappen des Saxophons. Der Daumen dieser Hand ruht auf der dafür vorgesehenen Daumenplatte und hält so den oberen Teil des Korpus. Bei Bedarf drückt er, um das Überblasen zu erleichtern, die direkt darüber befindliche Oktavklappe. Die rechte Hand bedient die unteren Klappen. Mit dem rechten Daumen hält der Spieler das Instrument in der Mitte, indem er es am Daumengriff leicht von sich drückt. Für Zeige-, Mittel- und Ringfinger der rechten und linken Hand hat er je eine Klappe. Der Zeigefinger der oberen Hand bedient außerdem die kleine B-Klappe und die Flageolet-Klappe. Die kleinen Finger der rechten und linken Hand bedienen je zwei Klappen, die zur Erleichterung des Klappenwechsels mit Rollen verbunden sind.

Fingersatztabellen existieren sowohl für den normalen Ton- als auch für den Altissimo-Bereich

Saxophonmusik


Die ersten Saxophonsätze der frühen Swingorchester Ende der 1920er Jahre bestanden aus zwei Altsaxophonen und einem Tenorsaxophon (z. B. Fletcher Henderson). Mit der Größe der Orchester nahmen auch die Saxophonsätze zu, zunächst auf vier Musiker (zwei Altsaxophone, zwei Tenorsaxophone) und dann auf fünf als Standardbesetzung der Bigbands der 1940er Jahre mit zwei Altsaxophonen, zwei Tenorsaxophonen und einem Baritonsaxophon. Diese Formation gilt seitdem als übliche Bigband-Besetzung, obwohl es immer auch abweichende Zusammensetzungen mit einem besonderen Sound gegeben hat. Beispiele dafür sind die „Four-Brothers-Besetzung“ von Woody Herman mit drei Tenor- und einem Baritonsaxophon oder der von einer Klarinette angeführte Saxophonsatz von Glenn Miller. In den 1950er-Jahren wurde der Saxophonsound von Billy Vaughn populär, bei dem die (zweistimmige) Melodieführung durch zwei Altsaxophone in der hohen Lage erfolgte. Üblicherweise sind die Saxophone in einem Saxophonsatz parallel mehrstimmig gesetzt, wobei dem ersten Altsaxophon die Melodieführung obliegt, während das Baritonsaxophon die Basslinien ausfüllt. Selten taucht auch einmal ein Bass-Saxophon in einer Orchesterbesetzung auf, allerdings in der Regel nicht als Mitglied des Saxophonsatzes, sondern als Ersatz für die Tuba oder den Kontrabass.

Sofern Saxophone in Musik-Combos eingesetzt werden, handelt es sich häufig um ein Tenorsaxophon (typisch für die Besetzung einer Rock-’n’-Roll-Combo) oder auch um ein Altsaxophon (hin und wieder in der Rockmusik). Sofern ein dreistimmiger Bläsersatz in einer Pop- oder Rockmusik-Combo Verwendung findet, besteht dieser meistens aus einem Saxophon (Alt oder Tenor) zusammen mit einer Trompete und einer Posaune. In größeren (Blas-)Musikkapellen der eher volkstümlichen Art kommen Saxophone (Alt und Tenor) oft in den Nebenstimmen (zusammen mit Tenorhörnern) vor.

Blasorchester

Die längste Tradition hat das Saxophon in den Blasorchestern. Dort hat das Saxophon eine wichtige klangliche Bedeutung. Es verbindet das Holz-Register Holzblasinstrumente mit dem Blech-Register Blechblasinstrumente. Einerseits hat das Saxophon die Beweglichkeit eines Holzblasinstrumentes, andererseits steht es der Lautstärke eines Blechblasinstrumentes kaum nach. 1844 prophezeite Berlioz dem Saxophon durch seine Eigenschaften eine große Zukunft.

Klassische Musik

In der klassischen Musik wird das Saxophon vor allem als Soloinstrument, in Saxophonformationen (vor allem dem Saxophonquartett) und in Kammermusikbesetzungen verwendet. Im Sinfonieorchester findet man es seltener. Obwohl erste Bauarten des Saxophons bereits im 19. Jahrhundert entstanden, wurde es in der klassischen Kunstmusik erst ab Beginn des 20. Jahrhunderts vermehrt eingesetzt. Als eines der wohl bekanntesten, seltenen Beispiele aus dem (späteren) 19. Jahrhundert gilt Georges Bizets L'Arlésienne. Bekannte Beispiele aus dem 20. Jahrhundert sind u. a. George Gershwins Rhapsody in Blue und ein Amerikaner in Paris, Maurice Ravels Boléro, Alban Bergs Violinkonzert und Lulu oder die Sinfonia domestica von Richard Strauss. Das Instrument wird hierbei aber in der Regel von einem der Klarinettisten als Nebeninstrument verlangt. Eines der frühesten Saxophonkonzerte ist Alexander Konstantinowitsch Glasunows Altsaxophonkonzert in Es-Dur Opus 109. Des Weiteren hatte u. a. der DDR-Sinfoniker Max Butting eine Vorliebe für den Klang des Instrumentes und verwendete es in den meisten seiner Orchesterwerke. In jüngerer Zeit setzten u. a. Luciano Berio, Pierre Boulez oder Péter Eötvös das Saxophon im Orchester ein; mittlerweile ist es in der zeitgenössischen Orchesterliteratur durchaus kein seltener Gast mehr.

Saxophon Solo

Besonders in der Neuen Musik wird das Saxophon als Soloinstrument verwendet. Die Komponisten betonen in ihren Kompositionen dabei besonders die avantgardistischen Klangmöglichkeiten und die technischen Aspekte des Saxophons: Multiphonics, Flageoletttechniken, Klappengeräusche, Glissando, Tremolo und viele weitere.

Einige der Komponisten, die Werke für Saxophon solo geschrieben haben, sind: Eckart Beinke, Paul Bonneau, Pierre-Max Dubois, Anders Eliasson, Jean Françaix, Alexander Konstantinowitsch Glasunow (der allerdings ins 19. Jahrhundert gehört), Jacques Ibert, Paul Hindemith, Nicolaus A.Huber, Christian Lauba, Fabien Lévy, Jean-Marie Londeix, Ryō Noda, Guido Rennert, Bertold Hummel, Fuminori Tanada, Pierre Max Dubois, Jean Rivier, Sigfrid Karg-Elert oder Patrice Sciortino.

Dem US-amerikanischen Altsaxophonisten John-Edward Kelly ist eine Reihe von Werken für sein Instrument und Orchester gewidmet. So schrieben Anders Eliasson seine fünfsätzige Sinfonia concertante: Symphonie Nr. 3 für Alt-Saxophon und Orchester (1989; 2010 entstand eine Fassung für Sopransaxophon), Pehr Henrik Nordgren Phantasme (1992) und Jan Sandström My Assam Dragon (1996) für Kelly. Ebenfalls für Kelly entstanden das Konzert für Streicher und Altsaxophon (2003, Fassung für Sopransaxophon 2009) von Anders Eliasson und die Kammersinfonie Nr. 3 für 20 Streicher und Altsaxophon (1996/97) von Kalevi Aho, der für das Raschèr Saxophone Quartet ein Konzert für Saxophon-Quartett, Glocken und Streicher (mit dem Titel Kellot / Glocken) schrieb.

Auf Wunsch des schwedischen Saxophonisten Anders Paulsson schrieb Anders Eliasson 2009 und 2010 Fassungen seiner Sinfonia concertante: 3. Symphonie für Alt-Saxophon und Orchester und des Konzerts für Streicher und Altsaxophon für das Sopransaxophon. Ebenfalls für das Sopransaxophon schrieb Friedrich Cerha. Sein Konzert für Sopransaxophon und Orchester wurde 2004 uraufgeführt.

Seit neuestem gibt es sogar ein Konzert für Baritonsaxophon und Orchester von Georg Friedrich Haas, das am 3. Mai 2008 vom WDR-Sinfonieorchester Köln unter Leitung von Emilio Pomarico uraufgeführt wurde (Livesendung im Radio). Solist war Marcus Weiss.

Für den Saxophonisten Dieter Kraus schrieb Timo Jouko Herrmann 2009 ein auf das Gedicht Morphine von Heinrich Heine anspielendes Konzertstück mit großem Orchester, in dem der Solist beständig zwischen Sopran- und Altsaxophon wechselt.

Saxophon in Kammermusikbesetzung

In der Kammermusikbesetzung wird das Saxophon in Kombination mit anderen Soloinstrumenten verwendet. Einige der Kombinationen, die in Kompositionen Verwendung finden, kombinieren das Saxophon unter anderem mit Gesang, Geige, Flöte, Klarinette, Oboe, Fagott, Trompete, Posaune oder auch Schlagzeug. Besonders häufig wird das Saxophon als Hauptinstrument mit Begleitung verwendet. Verbreitet sind hier insbesondere die Kombination von Saxophon und Klavier, aber es existieren auch Stücke in Begleitung von Orgel, Akkordeon, Harfe, Kontrabass und Gitarre.

Saxophonformationen

Die Formationen, in denen das Saxophon in der klassischen Musik verwendet wird, sind an die Formationen der Streichinstrumente angelehnt. Insbesondere wird das Saxophon im Saxophonquartett und in größeren Saxophonensembles gespielt. Die Standardbesetzung des Saxophonquartetts ist Sopran, Alt, Tenor und Bariton. Wichtige klassische Saxophonquartette sind u. a. das Raschèr Saxophone Quartet, das Aurelia Saxophone Quartet, das Sonic.art Saxophonquartett oder das Pindakaas Saxophon Quartett. Die Besetzung der größeren Saxophonensembles variiert je nach Ensembleleiter und Komposition. Die Standardzusammensetzung des Saxophonensembles, die Jean-Marie Londeix eingeführt hat, besteht aus einem Bass-, zwei Bariton-, drei Tenor-, drei Alt-, zwei Sopran- und einem Sopraninosaxophon. Andere, insbesondere kleinere Saxophonensembles, wie zum Beispiel das Rova Saxophone Quartet, verändern je nach Komposition die Zusammenstellung der Instrumente. Auch hier werden die sechs gängigen Saxophonarten verwendet.

Jazz

Der Jazz ist „saxophonisiert“. Es gab und gibt kaum ein Jazzensemble, in dem das Saxophon nicht zumindest eine wichtige Solistenrolle ausfüllen würde. Am häufigsten findet man Quartettbesetzungen, also Rhythmusgruppe plus Saxophon. Davon abgeleitet muss man die Triobesetzungen sehen, bei denen das Harmonieinstrument, also Gitarre oder Piano, weggelassen wird.

Reine Saxophonbesetzungen sind seltener, nehmen aber nicht nur in Grenzgebieten des Jazz aufgrund der fast unbegrenzten Klangmöglichkeiten eine interessante Rolle ein, wie etwa das World Saxophone Quartet oder die Kölner Saxophon Mafia als zwei sehr langlebige Ensembles belegen. Wichtig sind Saxophone auch in einer Big Band, hier sind sie meist wie folgt besetzt: erstes und zweites Altsaxophon, erstes und zweites Tenorsaxophon sowie ein Baritonsaxophon.

Um im Jazz eine individuelle Klangfarbe erzielen zu können, ist neben dem eigentlichen Instrument die Wahl des Equipments, also der Zubehörausstattung, entscheidend. Nicht nur das Material des Mundstückes (meist Metall oder Ebonit) und dessen Form, sondern auch die Bauart der Ligatur beeinflussen die Klangfarbe. Hierbei ist es nicht selten, dass Mundstücke nachträglich in der Form angepasst („refaced“) werden.

Popularmusik

Ein „röhrendes“ Saxophon spielte eine tragende Rolle im klassischen Rock ’n’ Roll, namentlich im Twist. Besonderer Beliebtheit erfreute es sich in der schwarzen amerikanischen Musik, dem Soul und dem Blues. Auch im jamaikanischen Ska, ähnlich wie im Soul und der Dancehall-Musik der späten fünfziger und frühen sechziger Jahre, durfte es in den Bläsersektionen nicht fehlen. Seltener wurde es hier auch als Soloinstrument verwendet. In der Rockmusik, insbesondere im New Wave und im wiederbelebten Two-Tone-Ska der 1980er Jahre, war das Saxophon als Soloinstrument sowie als Sektions-Instrument ebenfalls besonders populär und ein regelrechtes Modeinstrument.

Der ehemalige US-Präsident Bill Clinton ist unter anderem für sein Spiel auf dem Saxophon bekannt

(Textzusammenstellung: Hans Jürgen Thomsen, Kattendorf, E-Mail: kammermusik-borstel@web.de)

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Konzert am 16. Dezember 2016 in der Kirche Sülfeld

Adventskonzert mit dem   Sonux Ensemble   

Chorleitung Hans-Joachim Lustig

                    "Chormusik zu Advent und Weihnachten"

                             Deutsche und internationale Liedsätze


Das Sonux Ensemble ist ein junger Männerchor aus Norddeutschland, bestehend aus den Tenören und den Bässen der Chorknaben Uetersen. Unter dem Namen Männerstimmen der Chorknaben Uetersen hat das Ensemble in den letzten Jahren bereits eine Reihe von beachtlichen Erfolgen erzielt: 2002 gewann es den Ersten Preis beim Sechsten Deutschen Chorwettbewerb, 2005 nahm es als eines von fünf weltweit ausgewählten Ensembles am Internationalen Kammerchorwettbewerb in Markoberdorf teil und wurde in die Kategorie "International sehr gut" eingestuft. 2007 ersangen sich die Männerstimmen den Ersten Preis beim Chorfestival "Schleswig-Holstein singt" auf Gut Salzau. Außerdem erhielten sie 2008 beim Chorfest des Deutschen Chorverbands sowohl den Ersten Preis in der Wettbewerbskategorie "Kategorie Romantik A" als auch den Ersten Preis für die Interpretation eines Volksliedes.

2010 sang das Ensemble gemeinsam mit dem ebenfalls von Hans-Joachim Lustig geleiteten Kammerchor I Vocalisti ein viel beachtetes Konzert unter der Leitung des amerikanischen Komponisten und Chorleiters Eric Whitacre.

Wichtig ist den jungen Sängern gemeinsam mit ihrem Leiter Hans-Joachim Lustig eine große stilistische Offenheit. Auf den Programmen stehen Kompositionen aus Renaissance, Barock, Romantik und Moderne sowie Titel aus den Bereichen Jazz, Pop, Crossover. Ein besonderer Schwerpunkt liegt dabei auf der Beschäftigung mit zeitgenössischen Werken, wobei Auftragskompositionen und die Zusammenarbeit mit Komponisten eine bedeutende Rolle spielen.

Den neuen Namen Sonux Ensemble wählte der Chor im Frühjahr 2013. Der Begriff Sonux entstand dabei aus einer Mischung der Begriffe sonus = Klang und lux = Licht.

Text aus:http://www.sonux-ensemble.de/


Folgende Texte aus Wikipedia:

Hans-Joachim Lustig absolvierte ein Studium der Schulmusik. 1994/1995 war er Stipendiat des Deutschen Musikrates. Er ist Leiter der Chorknaben Uetersen und des Kammerchors I Vocalisti, mit denen er 2002 beim 6. Deutschen Chorwettbewerb einen ersten Bundespreis gewann. Als Gastdirigent war er u. a. beim Philharmonia Chorus London und beim Belgrader Rundfunkchor tätig. Lustig ist außerdem Gründer des Mendelssohnchors Hamburg.

Die Chorknaben Uetersen sind ein als Verein organisierter Knabenchor, der 1965 gegründet wurde. Aus einer kirchlichen Jungschar entstanden, entwickelte sich der Chor unter den Chorleitern Ilse Rieth (1965 bis 1991), Kristian Commichau (1991 bis 1995), Hans-Bernd Bockting (1995 bis 1999) und Hans-Joachim Lustig (seit 1999) zu einem der erfolgreichsten Laienchöre der Region.

Aktuell besteht der Chor aus rund 90 aktiven Sängern aus Uetersen und den umliegenden Gemeinden. Das Alter reicht von sechs bis neun Jahren in den Vorchören und von neun bis 25 Jahren im Hauptchor.

Zur Nachwuchsgewinnung begibt sich der Gesangspädagoge Harald Stockfleth jedes Jahr in die ersten Klassen der Schulen in der Umgebung Uetersens, um potenzielle Talente zu entdecken. Diese bekommen eine Einladung zu einem Elternabend, auf dem der Chor vorgestellt wird.

Die Vorchorzeit dauert drei Jahre. Während dieser Zeit werden den jungen Sängern fundamentale musikalische Fähigkeiten wie Notenlesen, Rhythmuslehre und eine kontrollierte Atmung beigebracht. Ab dem zweiten Jahr erhalten sie außerdem Stimmbildung.

Auch die Vorchorgruppen geben schon alleine Konzerte. Sie dürfen außerdem bereits bei den großen Weihnachtskonzerten mitwirken.

Ab der Kurrende übernimmt der Chorleiter Hans-Joachim Lustig die Proben, damit sich die angehenden Sänger umgewöhnen können.

Der Konzertchor besteht aus derzeit ungefähr 60 jungen Knaben- und Männerstimmen ab der vierten Klasse. Sie proben regelmäßig zweimal pro Woche für 1½ Stunden. Das eine Mal wird in Stimmgruppen getrennt geprobt (Sopran, Alt, Männerstimmen) und das andere Mal findet die Gesamtprobe statt. Die Männerstimmen proben außerdem anschließend noch eine halbe Stunde extra. Jeden Monat wird zusätzlich noch an einem Wochenende geprobt. Nur der Konzertchor nimmt an den Reisen teil.

Sowohl die Knaben- als auch die Männerstimmen studieren auch eigenständige Programme ein. Besonders die Männerstimmen geben oft eigenständige Konzerte und haben unter dem Namen Sonux Ensemble 2013 die CD „Light & Love“ bei dem Label Rondeau herausgebracht, für die viele bekannte Komponisten wie Eric Whitacre und Ola Gjeilo exklusiv Stücke geschrieben haben.

Sonux Ensemble

Anlässlich der neuen CD „Light & Love“ von den Männerstimmen wurde für die internationale Vermarktung ein neuer Name gewählt. Der Name „Männerstimmen der Chorknaben Uetersen“ ist nicht nur viel zu lang, sondern auch für nicht deutschsprachige quasi unmöglich auszusprechen. Deswegen wurde 2013 aus mehreren Vorschlägen der Name „Sonux Ensemble“ ausgewählt.


(Textzusammenstellung: Hans Jürgen Thomsen, Kattendorf, E-Mail: kammermusik-borstel@web.de)


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Konzert am 17.11.2016 im Herrenhaus Borstel

Konzert mit dem    OBERON TRIO

Oberon, der Elfenkönig aus Shakespeares Sommernachtstraum, ist der Namenspatron des Oberon Trios und alle Werke dieses Konzerts haben eine Verbindung zu Shakespeare, der vor 400 Jahren starb.

Auf dem Programm stehen Werke von Robert Schumann (Fantasiestücke op.88), Ludwig van Beethoven (Geistertrio- Trio D-Dur op. 70/1), Felix Mendelssohn-Bartholdy (Trio op.66) und das von der Engländerin Charlotte Bray (*1982) für das Oberon Trio komponierte„That Crazed Smile“.

Und eine musikalische Überraschung kündigt das Oberon Trio auch an.

Das Oberon Trio mit der Geigerin Henja Semmler, der Cellistin Antoaneta Emanuilova und dem Pianisten Jonathan Aner feiert in diesem Jahr seinen 10.Geburtstag.


(folgender Text: Oberon Trio )

In dieser Saison kreuzen sich zwei Jubiläen wie von Geisterhand:
Shakespeares Todestag jährt sich zum 400. Mal und unser Oberon Trio hat Geburtstag: Wir werden 10!
Unser Namenspatron, der Elfenkönig aus Shakespeares Sommernachtstraum, hat dieses Jahr seinen gro
ßen Auftritt.

Aus diesem Anlass haben wir uns ein ganz besonderes Programm ausgedacht:

If music be the food of love... - Oberon feiert Shakespeare.

Mit Schumanns Notturno stimmen wir Sie in das Reich der Nacht ein. "Geisterhaft schauerlich", wie Beethovens Meisterschüler Carl Czerny es beschrieb, wird die Nacht in Beethovens Geistertrio. "Nicht unpassend könnte man sich dazu die erste Erscheinung des Geistes im Hamlet denken ", so Czerny weiter.

Darf in unserem Jubiläumsprogramm der Sommernachtstraum fehlen? Nein! Die Engländerin Charlotte Bray (*1982) hat sich in unserem Auftrag von Shakespeares Schauspiel inspirieren lassen und uns „That Crazed Smile“ komponiert. Nehmen Sie sich vor den Elfen in Acht, denn in dieser Musik überlisten sie mit ihren Zauberkünsten die arglosen Liebenden! Nichts könnte besser in dieses Programm passen als ein Trio von Felix Mendelssohn, der sein op. 66 kurz nach seiner Musik zum Sommernachtstraum schrieb. Spätestens im Scherzo ist die Verwandtschaft zwischen den Werken nicht zu überhören.
Als Zugabe haben wir eine U
̈berraschung parat, die nach diesem Programm eigentlich schon ein Muss ist. Wir mussten sie nur noch für unsere Besetzung bearbeiten. Haben Sie schon eine Ahnung?

Im 2006 gegründeten Oberon Trio verbinden sich drei Musiker, die sich höchst erfolgreich in der internationalen Musikszene etabliert haben, zu einer faszinierenden Einheit

Die Berliner Geigerin Henja Semmler erhielt ihre Ausbildung u.a. bei Rainer Kussmaul, Thomas Brandis und Gerhard Schulz. Dabei wurde sie von der Studienstiftung, vom DAAD und vom Deutschen Musikinstrumentenfonds unterstützt. Später absolvierte sie auch im Fach Barockvioline das Konzertexamen; zudem widmet sie sich intensiv der zeitgenössischen Musik

Antoaneta Emanuilova wurde in Bulgarien geboren und siedelte im Alter von sieben Jahren nach Deutschland über. Ihr Studium absolvierte sie bei Wolfgang Boettcher und Jens Peter Maintz in Berlin sowie bei Joel Krosnick an der Juilliard School in New York. Gleichzeitig war sie Stipendiatin der Villa Musica, der ZEIT Stiftung in der Deutschen Stiftung Musikleben und der Landessammlung Baden-Württemberg. Antoaneta Emanuilova wurde mehrfach ausgezeichnet, u.a. mit einem 1. Preis beim Domenico-Gabrielli-Violoncellowettbewerb in Berlin und dem Grand Prix des internationalen Wettbewerbs "Musik und Erde".

Der israelische Pianist Jonathan Aner trat mit führenden Orchestern Israels auf, u.a. mit dem Israel Philharmonic Orchestra unter der Leitung von Zubin Mehta. Er gewann Preise bei zahlreichen internationalen Klavier- und Kammermusikwettbewerben, u.a. in Melbourne, Florenz, Senigallia, Dortmund, Berlin und Weimar. Seit 2010 hat er eine Professur für Klavierkammermusik an der Hochschule für Musik „Hanns Eisler“ in Berlin inne.

Das Programm:

Robert Schumann: Fantasiestücke op. 88
Ludwig van Beethoven: Trio D-Dur op. 70/1 "Geistertrio" 
Charlotte Bray: That Crazed Smile (1982)   
Felix Mendelssohn-Bartholdy: Trio c-Moll op. 66   



Robert Schumann op. 88

Text aus: http://www.schumann-portal.de/op-88.html

Robert Schumann: Vier Phantasiestücke für Klavier, Violine und Violoncello op. 88

Nr. 1 Romanze. Nicht schnell, mit innigem Ausdruck
Nr. 2 Humoreske. Lebhaft
Nr. 3 Duett. Langsam, und mit Ausdruck
Nr. 4 Finale. Im Marsch Tempo


Robert Schumann arbeitet in der ihm eigenen systematischen Schaffensweise ab 1840 einen musikalischen Bereich nach dem anderen schwerpunktmäßig ab. Zuvor komponierte er fast ausschließlich Klaviermusik. 1842 stehen nun kammermusikalische Werke auf dem Plan. Zum Abschluss dieses so genannten „Kammermusikjahres“ entwirft Schumann im Dezember 1842 ein mehrsätziges Werk in klassischer Triobesetzung für Streicher und Klavier. „Ganz anders, ganz leiser Natur“ erscheint ihm seine Komposition, die er fast zwei Jahre später dem Leipziger Verleger Peters als „neues Trio“ anbietet. Doch nicht in dieser ursprünglichen Gestalt findet es den Weg in die Öffentlichkeit und auch nicht durch einen Druck bei dieser Verlagsanstalt. Es liefert stattdessen das Material für die fast acht Jahre später veröffentlichten Phantasiestücke op. 88.

Immer wieder vertröstet Schumann den Verleger und schickt ihm keine gebrauchsfähige Stichvorlage. 1849 überarbeitet er die vier Sätze seiner Komposition und bemerkt wohl bald, dass diese zwar durch die Anordnung der Tonarten miteinander verbunden sind, aber keineswegs dem entsprechen, was man landläufig unter einem Klaviertrio versteht. Auch zwei andere, „richtige“ Klaviertrios schreibt er zwischenzeitlich (op. 63 und op. 80), die auf überzeugende Weise dem Gattungsanspruch gerecht werden. Denn auch dem Schema des gewohnten Sonatenzyklus folgen die Sätze aus op. 88 nicht. So nennt Schumann sie schließlich Phantasiestücke und gibt jedem einzelnen Satz eine ebenso bezeichnende wie auch beziehungsreiche Überschrift. Die Satztitel repräsentieren ausgesprochene Charaktertypen und rücken somit ganz in die Nähe der poetischen Klavierstücke. Gleichwohl eröffnet Schumann hier eine neue Dimension auf dem gewohnten Feld der Triobesetzung. Gemessen an den drei offiziellen, im Druck so bezeichneten Klaviertrios op. 63, op. 80 und op. 110 sind die Stücke op. 88 von deutlich schlichterer Machart. Sie beweisen Schumanns Bemühen, frühzeitig die Triobesetzung zu bewältigen, andererseits aber innerhalb tradierter Formen andere Wege zu suchen.

Zart und liedhaft eröffnet die Romanze den Reigen der Phantasiestücke mit gefühlvoll-innigen Melodiebögen. Ebenso ungewohnte wie reizvolle Klangbilder erzielt Schumann in den unterschiedlichsten Kombinationen der drei Instrumente. Höchst lebendig kommt die Humoreske daher, geprägt von ihrer eigenwilligen, wie gegen den Strich gebürsteten Rhythmik. Gerade hierin sowie im mehrfach unvermittelt wechselnden Ausdruck zwischen lyrisch und effektvoll zeigt sich der „Humor“ dieses Satzes. Im Duett besticht ein kanonartig angelegter Dialog zwischen den beiden kantabel geführten Streichinstrumenten, vom Klavier mit einem perlenden Klangteppich unterlegt. Die bunte Vielfalt marschartiger Passagen im Finale führt das Werk zu seinem schwungvollen Ende.
(Irmgard Knechtges-Obrecht)


Beethoven, Klaviertrio op. 70,1(Text aus Wikipedia)

Das Klaviertrio D-Dur op. 70,1, das so genannte „Geistertrio“, ist eine kammermusikalische Komposition für Klavier, Violine und Cello von Ludwig van Beethoven und wurde gemeinsam mit dem Klaviertrio op. 70,2 im Jahr 1809 veröffentlicht.

Beethoven schrieb die zwei Klaviertrios im Sommer 1808 während eines Aufenthaltes auf dem Landgut Föridsdorf von Gräfin Marie von Erdödy, seiner Gönnerin und Widmungsträgerin der Werke. Zu dieser Zeit vollendete er auch seine 5. Sinfonie und die 6. Symphonie, die „Pastorale“.

Erster Satz: Allegro vivace e con brio

Eine stürmisch aufsteigende, fünfmal jeweils eine Quarte höher beginnende absteigende Sequenz im Unisono aller drei Instrumente zu Beginn des Satzes wird von einem kantablen Thema abgelöst, das von den Instrumenten abwechselnd vorgetragen wird. Sowohl die Exposition als auch der Mittelteil von Durchführung und Reprise werden wiederholt; ein Seitenthema fehlt.

Zweiter Satz: Largo assai ed espressivo

Der in d-Moll stehende Mittelsatz beginnt in Cello und Violine, dann tritt mit pulsierenden Akkorden das Klavier hinzu. Die gespenstische Atmosphäre des Satzes, die von Musikwissenschaftler Paul Bekker als »einer der wunderbarsten Offenbarungen beethovenscher Schwermut« bezeichnet wurde, entsteht u. a. durch seine Klaviertremoli und chromatische Skalen.

Die Bezeichnung des Trios als „Geistertrio“ geht auf Beethovens Schüler Carl Czerny zurück, der, wie er 1842 schrieb, sich durch diesen Satz an den ersten Auftritt des Geistes in William Shakespeares Tragödie Hamlet erinnert fühlte: »Der Charakter dieses, sehr langsam vorzutragenden Largo ist geisterhaft schauerlich, gleich einer Erscheinung aus der Unterwelt«.

Laut Musikwissenschaftler Martin Gustav Nottebohm entwarf Beethoven parallel zur Komposition des Trios einen Hexenchor für eine geplante Opernkomposition mit Shakespeares Tragödie Macbeth als Vorlage.

Dritter Satz: Presto

Mit dem Finalsatz in D-Dur kehrt das Trio zu einer gelösten Stimmung zurück. Laut Hermann Swietly ist dieser Satz das »Nachklingen der aufwühlenden Gestik des Mittelsatzes in lichtvollen Gefilden; ein prachtvoller und glänzender, durch nichts getrübter Abschluss für ein Werk, welches in der Musikgeschichte nicht seinesgleichen hat«.

Wirkung

Nicht zuletzt aufgrund der Besetzung Wiens durch die französischen Truppen erfolgte die Veröffentlichung durch Breitkopf & Härtel erst im Jahr 1809. Die Uraufführung erfolgte im Salon von Gräfin Erdödy.

Musikkritiker E. T. A. Hoffmann zeigte sich nicht nur von Beethovens Werken wie der Sinfonie Nr. 5 und Nr. 6 begeistert, sondern auch von diesen »herrlichen Trios« und davon, »wie B. den romantischen Geist der Musik tief im Gemüthe trägt und mit welch hoher Genialität, mit welcher Besonnenheit er damit seine Werke belebt«. In diesem Rahmen beklagte Hoffmann die »Mode [...], die Musik nur so nebenher zum Vertreiben der Langeweile in der Gesellschaft zu benutzen«, und warnte davor, dass Gelegenheitsmusiker, die nur leichte und gefällige Musik bewältigen könnten, von Beethovens Trios op. 70 überfordert sein könnten.

Das erste, in D-Dur, das sogenannte „Geistertrio“, zählt neben dem „Erzherzog-Trio“, das noch bekannter ist, zu den bekanntesten Klaviertrios des Komponisten. Obwohl die zwei Klaviertrios gewöhnlich als Nr. 5 und 6 gezählt werden (mit dem „Erzherzog-Trio“ als Nr. 7), ist die Nummerierung der zwölf Klaviertrios nicht standardisiert und kann je nach Quelle differieren.


Charlotte Bray: That Crazed Smile (1982)   

Charlotte Bray wurde 1982 in Oxford geboren. Sie studierte Cello und Komposition am „Birmingham Conservatoire“. Sie gehört zu den bedeutenden Komponisten der jungen Generation mit einer umfangreichen Werkliste. Sie arbeitet mit bedeutenden Orchestern zusammen wie dem London Symphony Orchestra und dem London Philharmonic Orchestra, dem BBC Symphony Orchestraund wurde mit zahlreichen Stipendien und Auszeichnungen geehrt.„That Crazed Smile“ hat Charlotte Bray für das Oberon Trio geschrieben.


Felix Mendelssohn-Bartholdy, Trio c-Moll, op.66  (Text aus Wikipedia)

Felix Mendelssohn Bartholdy komponierte sein 2. Klaviertrio c-Moll op. 66 (MWV Q 33) in Frankfurt. Fertiggestellt wurde das als Geburtstagsgabe für seine Schwester Fanny gedachte Klaviertrio (in der Besetzung Klavier, Violine und Violoncello) am 30. April 1845. Zur Uraufführung gelangte es am 20. Dezember 1845 in Leipzig und erschien 1846 mit einer Widmung an Louis Spohr beim Verlag Breitkopf & Härtel im Druck.

Das Werk ist viersätzig, die Aufführungsdauer beträgt etwa knapp 30 Minuten.

Der dramatisch-kraftvolle 1. Satz (Allegro energico e con fuoco, 4/4) folgt der Sonatenhauptsatzform, wobei in der erweiterten Exposition 3 Themen präsentiert werden. Der 2. Satz (Andante espressivo, 9/8) erinnert mit seiner dazu kontrastierenden sanften Grundstimmung an manche von Mendelssohns Liedern ohne Worte.

Das Scherzo (Molto Allegro quasi Presto, 2/4) ist ein Rondo und beschwört eine an den Elfenspuk der Musik zum Sommernachtstraum gemahnende Stimmung. Mendelssohns Anmerkung zu seinem Trio, es sei „ein bißchen eklig zu spielen“, bezieht sich möglicherweise auf diesen kurzen, jedoch virtuosen Satz.

Das Finale (Allegro appassionato, 6/8) wird von einem Cellothema mit einem für Mendelssohn ungewöhnlichen Nonensprung eingeleitet. Der Satz bildet ein dreithematisches Rondo, in dem imitatorische und kontrapunktische Techniken hervortreten. Das dritte Thema ist ein frei komponierter Choral, der zu Beginn auf die Melodie von Gelobet seist du, Jesu Christ anspielt.


Shakespeares Komödie „Was ihr wollt“ beginnt mit den Worten:

If music be the food of love” , dem Leitmotiv des heutigen Konzertes.

Henry Purcell und der Dichter Heveningham haben diese Zeilen für ihr gleichnamiges Lied verwendet.


(Textzusammenstellung: Hans Jürgen Thomsen, Kattendorf, E-Mail: kammermusik-borstel@web.de)


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Konzertinformationen zum Konzert am 20.10.2016 im Herrenhaus Borstel

Trio Dan und Bálint Gergely

Aaron Dan (Flöte und Moderation), Theo Dan(Violine)

Bálint Gergely (Violoncello), Michael Dan (Klavier)

Johann Sebastian Bach: Goldberg-Variationen (BWV 998)

In der Bearbeitung von Aaron Dan


Das Jubiläumskonzert

Das Trio Dan wird 20 Jahre alt. Zum Jubiläum erfüllt sich das Brüder-Ensemble einen lang ersehnten Traum: zusammen mit ihrem vierten Bruder Bálint Gergely (Violoncello) bringen sie die Goldberg-Variationen von J.S.Bach in einer eigenen Bearbeitung zu Gehör.

Trio Dan und Bálint Gergely

Die in Rumänien geborenen Brüder Aaron und Michael Dan (Flöte und Klavier) haben vor 20 Jahren in Deutschland ihre Kammermusik-Laufbahn begonnen. Im Jahr 2000 wurde das Duo Dan mit dem jüngsten Bruder Theo Dan (Geige) zum Trio Dan. Seit ihrer Gründung unternehmen die Dan-Brüder jedes Jahr eine Konzertreise. So haben sie sich in nahezu 500 Konzerten europaweit einen Namen gemacht.

Dennoch wird dieses Bach-Projekt ein einmaliges Familienereignis: die vier Brüder, heute alle als Berufsmusiker europaweit unterwegs, haben in dieser Quartettbesetzung zuletzt als Kinder zusammen musiziert.

1996 haben die Brüder Aaron und Michael Dan (damals 15 und 16 Jahre alt) in Schloss Hamborn ihr erstes öffentliches Konzert als „Duo Dan“ gegeben. Seitdem haben sie in jedem Jahr eine Konzertreise unternommen, im Jahr 2000 kam der 14jährige Bruder Theo hinzu. Nun haben die drei Dan-Brüder einen Halbbruder mütterlicherseits: mit Bálint Gergely (Cello) haben sie in der Kindheit Zimmer und Tisch geteilt, sie spielten und sangen zusammen, bis sich ihre Wege teilten und jeder zu seiner Zeit das Elternhaus verließ. Oft kreuzen sich ihre Musikerkarrieren: Bálint, der seit 10 Jahren Solocellist des Preußischen Kammerorchesters in Prenzlau ist, ersetzte den Geiger Theo im Trio, als dieser 2005 sein Abitur machen musste. Oft sind auch Aaron und Theo im Preußischen Kammerorchester als Gäste zu hören, oder sie teilen sich in anderen Konstellationen die Bühne. Dennoch haben sie seit ihrer frühen Kindheit nicht mehr als Quartett musiziert: zu weit waren die einzelnen Stationen der vier Brüder auseinander, zu dicht waren die Konzertkalender gesät, zu aufwändig wäre eine Tournee zu viert gewesen.

Im zwanzigsten Jubiläumsjahr ist dem Trio der Aufwand nicht zu groß. Die Goldberg-Variationen brauchen das Cello. So freut sich das Trio Dan, endlich dieses grandiose Werk ins Repertoire aufzunehmen. Und die Welt soll einmal mehr die Botschaft erfahren, die Bach mit den Goldberg- Variationen den Menschen hinterlassen hat.

In der dritten Mai-Woche haben die vier Brüder des Hauses Dan die Goldberg-Variationen auf CD eingespielt. Im Herbst soll die Aufnahme als CD erhältlich sein. Dann wird man sie auf ihrer Konzertreise noch etliche Male erleben können.


J. S. Bach: Goldberg-Variationen

Die „ARIA mit verschiedenen Verænderungen vors Clavicimbal mit 2 Manualen“, die J. S. Bach um 1740 herum schrieb und heute auf einer Anekdote basierend „Goldberg-Variationen“ genannt werden, haben schon einmal eine Konzertreise des Trio Dan dominiert. Zu ihrem diesjährigen Jubiläum als Brüder-Quartett haben sie zu den damals aufgeführten 10 Variationen die fehlenden 20 hinzugefügt und bringen damit diese vollständige, aus eigener Feder stammende Bearbeitung zu Gehör.

Bach realisiert in den 30 Variationen eine Vielzahl von Kanons, (vom Kanon in der Prim bis zur None, zwei Spiegelkanons inbegriffen), virtuose Capriccios, die man nur auf zweimanualigen Cembali sinnvoll spielen kann (da die Hände sich kreuzen und die Unterstimme zur Oberstimme wird), einige Menuette, Passepieds, eine französische Ouverture und vieles mehr. All diese Variationen sind unheimlich kostbare Miniaturen einer Kompositionskunst von beinah kosmischem Niveau.

Kein Wunder also, dass die Goldberg-Variationen so viel Aufsehen erregen, wie sonst wenige Werke der Musikliteratur. Unzählige Bearbeitungen von Streichtrio über Bläser-Ensembles, Gitarren- oder Saxophonquartett bis zum vollständigen Symphonieorchester erfreuen sich großer Beliebtheit. Mit dieser Bearbeitung für Flöte, Violine, Cello und Klavier soll nun keine dieser Bearbeitungen verbessert oder erübrigt werden. Sie ist das Ergebnis der intensiven Arbeit, die das Trio Dan in den letzten Jahren begleitet hat und als Huldigung an den großen Meister J. S. Bach verstanden werden soll.

Den Text entnahmen wir der Homepage  www.triodan.com

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In der dritten Mai-Woche haben die vier Brüder des Hauses Dan die Goldberg-Variationen auf CD eingespielt. Im Herbst 2016 soll diese Aufnahme als CD erhältlich sein.

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Die junge Pianistin Marie Rosa Günter, die am 16.März 2017 bei uns in Borstel als Duo-Partnerin von Patricia Buzari zu Gast sein wird, hat die Goldbergvariationen im Mai 2016 eingespielt. Es ist eine großartige Einspielung, die wir empfehlen möchten.

Auch als Vorbereitung auf das Konzert der Brüder Dan möchten wir diese CD empfehlen.

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Der folgende Text aus WIKIPEDIA:

Die Goldberg-Variationen sind ein Werk Johann Sebastian Bachs (BWV 988), das im von Bach selbst veranlassten Erstdruck aus dem Jahr 1741 als Clavier Ubung bestehend in einer ARIA mit verschiedenen Verænderungen vors Clavicimbal mit 2 Manualen bezeichnet wurde. Die Benennung nach Johann Gottlieb Goldberg entstand posthum aufgrund einer Anekdote.

Die Goldberg-Variationen stellen einen Höhepunkt barocker Variationskunst dar. Das Werk zeichnet sich durch einen planvollen Gesamtaufbau mit regelmäßig eingefügten, in den Oberstimmen streng kanonischen Sätzen aus. Den inneren Zusammenhang der Variationen untereinander liefert das gemeinsame Bassthema. Jeder Einzelsatz besitzt einen eigenen Charakter. Die Haupttonart ist G-Dur.

Entstehung und Namensgebung

Die genaue Entstehungszeit des Werkes ist unbekannt. Es wurde im Herbst 1741 in Nürnberg von Balthasar Schmid (1705–1749) gestochen und verlegt. Bachs Autograph existiert nicht mehr. Große Beachtung fand daher ein 1975 aufgefundenes, einwandfrei Bach zuzuschreibendes Handexemplar des Erstdruckes, das neben kleinen Korrekturen auch 14 Kanons in Bachs Handschrift enthält.

Der Name Goldberg-Variationen (auch Goldberg’sche Variationen) etablierte sich erst im Laufe des 19. Jahrhunderts. Er wurde nach einem anekdotischen Bericht in Johann Nikolaus Forkels über Johann Sebastian Bachs Leben, Kunst und Kunstwerke von 1802 gebildet. Laut Forkel sei Bachs Aria mit verschiedenen Veränderungen für den russischen Gesandten am Dresdner Hof, den mit der Familie Bach befreundeten Grafen Hermann Carl von Keyserlingk, verfasst worden. Der in dessen Diensten stehende Cembalist Johann Gottlieb Goldberg, ein hochbegabter Schüler Wilhelm Friedemann Bachs und Johann Sebastian Bachs, sollte dem Grafen daraus vorspielen.

„Einst äußerte der Graf gegen Bach, daß er gern einige Clavierstücke für seinen Goldberg haben möchte, die so sanften und etwas muntern Charakters wären, daß er dadurch in seinen schlaflosen Nächten ein wenig aufgeheitert werden könnte. Bach glaubte, diesen Wunsch am besten durch Variationen erfüllen zu können, die er bisher, der stets gleichen Grundharmonie wegen, für eine undankbare Arbeit gehalten hatte.“

Dieser Bericht geht wahrscheinlich auf Informationen der beiden ältesten Bachsöhne zurück.Eine weitere Quelle wurde nicht aufgefunden. Zwei wichtige Argumente lassen am Wahrheitsgehalt des Berichts zweifeln: Die gedruckte Fassung der Variationen enthält einerseits keine Widmung, etwa eine förmliche Widmung an Keyserlingk. Zum anderen war Johann Gottlieb Goldberg 1740 gerade einmal 13 Jahre alt und damit technisch kaum in der Lage, dieses anspruchsvolle Werk adäquat zu bewältigen.

Daher ist der Wahrheitsgehalt von Forkels Bericht umstritten. Forkel habe einen späteren, romantischen Kunstbegriff des beginnenden 19. Jahrhunderts auf Bachs Motive und die Kunstauffassung seiner Epoche angewendet. Sein Bericht widerspricht allerdings nicht der heute meist vertretenen Meinung, die Komposition sei von Anfang an als Teil – und krönender Abschluss – der Clavierübung geplant worden. Doch selbst hierbei gibt es keine Sicherheit; denn der Druck von Teil IV der Clavier-Übung von 1741 wurde – anders als Teil II und III und genauso wie Teil I von 1731 mit seinen Vorveröffentlichungen – nicht in die laufende Nummerierung Bachs aufgenommen. Allerdings legen identische, sich nur in der Rechtschreibung unterscheidende Formulierungen auf den Titelblättern die Zusammengehörigkeit sämtlicher Clavier-Übungen nahe. Auf dem Titelblatt von Bachs OPUS 1 heißt es: Clavir-Ubung / bestehend in / Præludien, Allemanden, Couranten, Sarabanden, Giguen, / Menuetten, und anderen Galanterien ; / Denen Liebhabern zur Gemüths-Ergetzung verfertiget / von / Johann Sebastian Bach

Musikgeschichtliche Einordnung

„Die Goldberg-Variationen sind ein eminent geschichtshaltiges Werk. Zweihundert Jahre Musikgeschichte sind in sie eingegangen, und sie wirken bis heute in die Musikgeschichte hinein. Sie sind zudem ein Werk der Synthese. ‚Ars musica‘ und Spiel, Kanon und Variation, ‚Adagio‘ und Quodlibet werden zu einem Ganzen zusammengefaßt.“ –Andreas Traub

In Bachs Goldberg-Variationen treffen sich italienische, französische und deutsche Traditionen der Clavier-Musik. Darüber hinaus erfassen sie stilisierend auch Kompositionsweisen und Formen der vokalen und instrumentalen Ensemblemusik. Wie dargelegt reicht das Spektrum von einfachen Volksliedern bis zu gelehrten polyphonen Techniken und von Gesanglichem bis zu ganz aus der Technik des Claviers Erfundenem. In einer überlegen disponierten Ordnung versammelt das Werk viele aus der Musikgeschichte und aus Bachs eigenen Zeit bekannte Musikarten zu einer lebendigen Einheit. Die Goldberg-Variationen geben „eine überzeugende Demonstration dessen, daß kunstvoller Bau und natürliche Anmut einander keineswegs ausschließen.“

Da die Goldbergvariationen bereits 1741 gedruckt vorlagen und vor allem dank Forkels Anekdote und seinem Einsatz für die Neuauflage Bach'scher Klaviermusik nie in Vergessenheit gerieten, gelangten sie bereits zu Beginn des 19. Jahrhunderts ins Bewusstsein der Musikliebhaber und der Komponisten. Heute dienen sie der Ausbildung von Cembalisten und Pianisten und haben einen festen Platz in deren Konzertrepertoire und Einspielungen auf Tonträger.

Das Werk fordert insgesamt eine hohe Virtuosität und gilt als eine der schwierigsten Klavierkompositionen Bachs. Für Interpreten, die statt des vorgesehenen Cembalos ein modernes Klavier verwenden wollen, gilt dies besonders, da das Werk in weiten Teilen für ein zweimanualiges Instrument komponiert wurde und sich die Ausführung mit nur einer Klaviatur stellenweise als schwierig erweist.

Als bekanntester Interpret der Neuzeit gilt der kanadische Pianist Glenn Gould, der das Werk zweimal im Studio mit dem modernen Konzertflügel aufgenommen hat. Darüber hinaus gibt es eine große Fülle weiterer Einspielungen sowohl auf dem Cembalo als auch auf dem Klavier.

(Textzusammenstellung: Hans Jürgen Thomsen, Kattendorf, E-Mail: kammermusik-borstel@web.de)




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Konzertinformationen zum Konzert am 15.9.2016 mit LA PORTA MUSICALE

Klingende Hamburgensien Text von LA PORTA MUSICALE

Hamburg war im 17. und 18. Jahrhundert eine der wichtigsten Musikstädte Europas – neben Kirchenmusik, prachtvollem Opernschaffen und aufwendiger Repräsentationsmusik blühte schon früh ein öffentliches, bürgerliches Konzertleben.

Mit Werken des Hamburger Ratsmusikers Johann Schop und seines in Lübeck geborenen Schülers Thomas Baltzar erklingt im Konzert virtuose Violinmusik im Stylus Fantasticus, eine neue Kompositionsform des 17. Jahrhunderts, die in Italien ihren Ursprung nahm und von den norddeutschen Meistern zu einer vollkommenden Blüte entwickelt wurde: die Werksbezeichnungen „Sine Titulo“ oder „Nasce la pena mia“ weisen auf die Vorbilder der ursprünglichen italienischen Madrigale hin. Eine neue virtuose, diminuierte Solomusik löst die alte strenge Polyphonie ab.

Matthias Weckmann übernahm 1655 die Organistenstelle an der Hamburger Jacobikirche. 1660 gründete er mit Musikerkollegen ein „Collegium musicum“: in öffentlichen Konzerten wurden neben eigenen Werken auch Kompositionen aus Venedig, Rom, Dresden und München aufgeführt.

Im Programm erklingt eine Liedvariation, die sich frei und in kühnen Harmonien von dem schlichten Volkslied (einst ein geistliches Lied) weit entfernt.

Heute fast vergessene Kompositionen von Schop, Baltzar und Weckmann wurden in Hamburg Ende des 17.Jahrhunderts öffentlich gespielt. Die Weckmann Partita soll einen großartigen Komponisten hörbar machen, der 2016 seinen 400. Geburtstag hat.

Aus dem umfangreichen Oeuvre von Georg Philipp Telemann haben wir für das Programm Werke für Violine und Cembalo ausgewählt, die aus unterschiedlichen Schaffenszeiten stammen.

Die Sonate in g-Moll von 1715 und die Partita aus „ La petite musique de Chambre“ von 1716 stammen noch aus der Frankfurter Zeit. In der Partita schreibt Telemann in der Tradition der französischen Orchestersuite, auch die Sonate ist ganz dem „Goût français“ verpflichtet.

Sowohl die „Sonate Metodiche“ von 1732 als auch die „Essercizli Musici“ von 1739/40 sind Sammlungen, die Telemann in Hamburg selbst verlegte. Er komponierte sowohl für den musizierenden Liebhaber als auch für den Virtuosen: „ . . . Partien nach einer singenden Art, also daß sich so wohl ein Anfänger darinnen üben als auch ein Virtuose damit hören lassen kann . . . “


Das Programm: KLINGENDE HAMBURGENSIEN

Johann Schop (1590-1667): Sine titulo

Georg Philipp Telemann (1681-1767):

               aus: Six Sonates a Violon seul accompagné par le clavecin (Frankfurt 1715)

               Sonata 1 g-MollAdagio - Allegro - Andante - Allegro

Johann Schop: Lachrimae Pavan,  Als Jupiter gedacht, Nobelman

Thomas Baltzar: (1630-1663) Preludium – Allemande, Violine Solo

Georg Ph. Telemann: Essercizii Musici (Hamburg 1739/40)

              Solo 1 Violino & Cembalo F-DurTWV 41:F4

              Andante - Allegro - Siciliana - Allegro


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Georg Ph. Telemann:

             Sonate Metodiche Opera XIIIHamburg 1732

           Sonata 3à Violino e Cembalo e-Moll,  Grave - Vivace - Cunando - Vivace

Johann Schop:Almanda - Courante

Matthias Weckmann:  Die lieblichen Blicke der schönen Astré, 1616-1674

                                    Partita, Cembalo Solo

Georg Ph. Telemann: „La petite musique de chambre“ , Partita 4 g-Moll

              Grave - Allegro - Allegro - Tempo di Minue – Allegro - A tempo giusto - Allegro assai

Johann Schop: Nasce la pena mia


LA PORTA MUSICALE
Gabriele Steinfeld (Barockvioline),  Anke Dennert (Cembalo)


Gabriele Steinfeld studierte an der Hochschule der Künste Berlin Geige bei Kolja Blacher, in Detmold bei Matthias Tacke und in Frankfurt Barockvioline bei Petra Müllejans. Nach dem Studium arbeitete die Musikerin in Rom, dem Zentrum der barocken Geigenvirtuosen mit Concerto Italiano; sowie Köln, und konzertierte dort mit Concerto Köln und Musica Antiqua Köln sowie mit anderen Ensembles. Seit 2007 lebt sie wieder als freischaffende Musikerin in Hamburg. Sie konzertiert mit der Akademie für Alte Musik Berlin, der Hamburger Ratsmusik, Elbipolis, Capella Augustina und La Chambre Philharmonique, Paris. Sie hat bei über 50 CDs mitgewirkt und ist regelmäßig im In-und Ausland als Solistin und Ensemblemitglied zu hören,-sowohl im Konzert als auch im Radio und Fernsehen.

Anke Dennert studierte zunächst an der Musikhochschule Hamburg Blockflöte und Cembalo. Die Begeisterung für das Cembalo und die damit verbundene, reizvolle Kammermusik machte die Tasteninstrumente zu ihrem Hauptfach. Nach Studienzeiten mit Robert Kohnen, Brüssel sowie Andreas Staier, Köln machte sie in Hamburg Konzertexamen für Cembalo und Clavichord bei Gisela Gumz. Die Musikerin widmet sich schwerpunktmäßig der Wiederaufführung vergessener Werke, dabei gilt ihr besonderes Interesse Werken von Komponistinnen. Bei Aeolus schienen Sonaten von Anna Bon di Venezia. Anke Dennert ist auch Mitglied des Ensemble Obligat, Hamburg und Toutes Suites San Diego. 2016 spielte sie Solo-Ouverturen von Telemann auf dem Cembalo von Christian Zell (Hamburg 1728) für Genuin ein. Anke Dennert lehrt als Dozentin für historische Tasteninstrumente und Generalbass am Hamburger Konservatorium sowie bei Kursen Alter Musik.

Nach begeistert aufgenommenen Konzerten der beiden Hamburgerinnen als Duo begründeten sie 2012 LA PORTA MUSICALE. Seither gestalten sie mitreißende Konzerte, die sich einerseits den Stars des 17. und 18. Jahrhunderts, aber vor allem selten zu hörenden Werken und ihren vergessenen Komponisten widmen. In originellen Programmen, die ergänzt durch heitere und informative Moderationen eine vergangene Musikkultur lebendig werden lassen, nehmen sie ihr Publikum mit in die Welt der höfischenKammermusik.

Mit Workshops (Vivaldi und Telemann) begeistern sie auch ein junges Publikum für die Schönheiten und Besonderheiten dieser liebenswerten Musik. In Benefizkonzerten öffnen sich die musikalischen Tore auch Hörern anderer Musikformate. Das Duo widmet sich besonders dem norddeutschen und italienischen Barockrepertoire.


Folgende Texte aus Wikipedia:

Thomas Baltzar (* um 1631 in Lübeck; † 24. Juli1663 in London) war ein deutscher Violinist und Komponist.

Als Baltzars Lehrer gelten der Lübecker Musiker Nicolaus Bleyer und Johann Schop. Von 1653 bis 1654 war Baltzar Kammerviolinist der Königin Christina von Schweden und begab sich nach deren Abdankung zunächst nach Lübeck, wo er eine Stelle als Ratsmusiker erhielt und dann 1655 weiter nach London. Dort erregte das mehrstimmige Violinspiel des fünfundzwanzigjährigen Aufsehen. 1661 wurde er zum Ersten Violinisten der Chapel Royal ernannt. Diese Anstellung hatte er bis zu seinem frühen Tod im Juli 1663 inne.

In England war er einer der ersten, die den Generalbass in ihren Werken einsetzten. Er schuf Kompositionen für Violine Solo, zum Teil mit Skordatur, und Triosonaten, aber auch Werke für Streichensembles. Er vereinigte den norddeutschen Instrumentalstil mit dem der englischen Consortmusik. Ihm nachfolgende Komponisten wie Nicola Matteis und Henry Purcell übernahmen vielfach diese Art.

Ein im Jahr 1888 veröffentlichter Lebenslauf Baltzars von Carl Stiehl trug den Titel: "Thomas Baltzar ein Paganini seiner Zeit".[1]

Matthias Weckmann (* um 1616 in Niederdorla; † 24. Februar1674 in Hamburg) war ein deutscher Komponist des Barock.

Weckmann wurde als Sohn des Jacobus Weckmann geboren, der zunächst Lehrer und Organist, später dann Pfarrer in Oppershausen war. Ab 1628 oder 1630 war Weckmann Sängerknabe und Mitglied der Dresdner Hofkapelle, wo Heinrich Schütz seine Ausbildung überwachte. 1633 begab sich Weckmann auf Schütz´ Empfehlung und als Stipendiat des sächsischen Kurfürsten Johann Georg I. zu weiteren Studien bei Jacob Praetorius nach Hamburg. Dort lernte er auch den Organisten der KatharinenkircheHeinrich Scheidemann kennen.

1636 oder 1637 wurde er Organist an der kurfürstlichen Schlosskirche in Dresden und zwischen 1637 und 1639 in die neu gegründete kurprinzliche Kapelle aufgenommen. 1643 begleitete er Schütz und andere Mitglieder der kurprinzlichen Kapelle nach Dänemark und wurde dort von Kronprinz Christian, dem Schwiegersohn des Kurfürsten, zum Kapellmeister am Hof in Nykøbing berufen. Nach dem Tod des Prinzen 1647 kehrte er in seine Anstellung als Hoforganist in Dresden zurück, hielt sich aber wohl auch zwischenzeitlich in Hamburg und in Lübeck auf. Dort heiratete er am 25. Juli 1648 die Tochter eines Lautenisten. Sein Trauzeuge war der an der Lübecker Marienkirche tätige Franz Tunder. Im Winter 1649/1650 besuchten ihn Johann Jacob Froberger und Johann Caspar Kerll am Dresdner Hof. Hieraus entwickelt sich zwischen Froberger und ihm ein reger Briefverkehr. U. a. scheint Weckmann hier auch bedeutende Impulse für sein eigenes kompositorisches Schaffen erhalten zu haben.

Nach einem grandiosen Probespiel übernahm Weckmann 1655 die Stellung des Organisten und Kirchenschreibers an der Jacobikirche in Hamburg. Er gründete mit führenden Musikern der Stadt und mit Unterstützung einflussreicher Bürger ein Collegium musicum. Bekanntschaft machte er mit dem seit Scheidemanns Tod 1663 an der Katharinenkirche tätigen Johann Adam Reincken. Auch mit Tunders Schwiegersohn Dietrich Buxtehude kam es zu verschiedenen Zusammentreffen, bei denen u. a. auch Werke Frobergers weitergegeben wurden. Der Kontakt zum Dresdner Hof scheint auch nach seinem Fortgang nicht abgebrochen zu sein, da seine Söhne Hans Georg und Jakob auf Kosten des sächsischen Kurfürsten in Wittenberg studierten und er selbst 1667(?) noch eine Reise nach Dresden unternahm. Von seinen Kindern wurde der Sohn Jacob Weckmann ebenfalls Musiker. Er war ab 1672 bis zu seinem Tod Organist an der Leipziger Thomaskirche.

1674 starb Weckmann in Hamburg und wurde in einem Familiengrab in der Jacobikirche in Hamburg unterhalb der Orgel beigesetzt. Sein Nachfolger Hinrich Freese († 1720) heiratete seine zweite Frau und übernahm somit seine Musikalien, wovon ein Teil später vom Lüneburger Johannisorganisten Georg Böhm erworben wurde. Deshalb findet sich ein großer Teil der bis heute überlieferten Werke Weckmanns in der Ratsbücherei Lüneburg.

Johann Schop (* um 1590 in Hamburg; † Sommer 1667 ebenda) war ein deutscher Musiker und Komponist.

Schop wurde vermutlich um 1590 in Hamburg geboren. 1614 wurde er Musiker an der Wolfenbütteler Hofkapelle, wo er Violine, Laute, Trompete und Zink spielte. 1615 ging er nach Kopenhagen und musizierte am königlichen Hofe Christians IV., von wo er jedoch 1619 aufgrund der sich ausbreitenden Pest floh. Zunächst ging er nach Iburg, wo er am Hof des Osnabrücker Bischofs Philipp Sigismund tätig war. In Hamburg wurde er zunächst Mitglied der Ratsmusik, 1621 schließlich deren Direktor und städtischer Kapellmeister. Später war er als Organist an der Jacobikirche tätig.

Zur Hochzeit Christians, des Kronprinzen von Dänemark und Norwegen, reiste er 1634 zusammen mit Heinrich Schütz wiederum nach Kopenhagen. Der Versuch des Königs, Schop dauerhaft nach Kopenhagen zurückzuholen, scheiterte. Schop starb im Sommer 1667 in Hamburg.

Schop hatte zwei Söhne, Johann (* 1626) und Albert (* 1632), die ebenfalls Musiker wurden.

Johann Schop war einer der ersten bekannten deutschen Geigenvirtuosen. Seine Popularität strahlte auch über die Stadtgrenzen Hamburgs hinaus. Im Hamburger Stadtteil Eimsbüttel wurde eine Straße nach ihm benannt.


(Textzusammenstellung: Hans Jürgen Thomsen, Kattendorf, E-Mail: kammermusik-borstel@web.de)

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